Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung, 79 
Prüfungscommission aus bewährten früheren Schulmännern vor, welche ihren 
Sitz in Berlin hat und mit dem Unterrichtsministerium zu verbinden 1st, 
damit mit gleichem Masse gemessen und nach denselben Grundsätzen cen- 
Sirt wird. 
Was die Prüfung gelbst anbetrifft, 80 zerfällt Sie in eine mündliche 
(incl. Probelection) und in eine Schriftliche (Ohlau, Kattowitz, Fritsche, 
Schweidnitz, Breslau Friedr.); nach Gross-Streblitz in eine theoretische und 
practische; Wohlau verlangt eine pädagogisch - practiseche Prüfung. Das 
Object der Prüfung hat den grössten Umfang bei Fritsche, welcher in der 
mündlichen Prüfung Pädagogik, Schulgesetzgebung, Schulgesundheitslehre, 
allgemeine Bildung nachweisen zu lassen empfiehlt, während die schriftliche 
Prüfung in einer Relation über einen Theil des Unterrichts bestehen soll, 
den der Candidat. in der zweijährigen Probezeit ertheilt hat. 
Dagegen erhobene Bedenken. 
Gegen eine golche Prüfung erklären gich im Ganzen wie im Einzelnen 
ausdrücklich eine Anzahl von Gutachten, denen ich mich aus folgenden 
Gründen angchliesse. 
Zunächst erscheinen mir die Motive, womit die Prüfung gerechtfertigt 
wird, nicht 80 stark und 80 unzweifelhaft, dass von dem bisherigen Ver- 
fahren abgegangen werden mügsste. Denjenigen gegenüber, welche dem 
Director nicht die unerlässliche Unbefangenheit des Urtheils zutrauen, 1st 
Schon oben angedeutet worden, dass das Urtheil des Directors durch das 
Provinzial-Schulcollegium corrigirt werden kann, wofern die Voraussetzung 
zutrifft, dass der zuständige Provinzial-Schulrath die Persönlichkeit und Eigen- 
ihümlichkeit des Directors und der für die Fortbildung des Candidaten in 
Anspruch genommenen Lehrer genau kennt und in der Regel die Gelegen- 
heit Suchen wird, dem Unterrichte des Candidaten beizuwohnen. DenJjenigen 
aber, welche durch das in Ausgsicht stehende Examen einen besonderen Druck 
auf den Candidaten auszuüben gedenken, möchte ich das Bedenken entgegen- 
Stellen, dass einergeits dadurch der Candidat auf eine tiefere Stufe gestellt 
wird, als es mir durch die thatsächlichen Verhältnisse gerechtfertigt erscheint, 
anderergeits aber bei mittelmässigen Naturen die Drohung des Examens, 
wenigstens Soviel in anderen Fällen die Erfahrung lehrt, durchaus keine 
gröggere Vertiefung der Studien, Sondern höchstens ein vermehrtes mechani- 
ches Vorbereiten auf die Prüfung bewirkt. Wenn endlich eine Prüfung 
deshalb nöthig erscheint, um die erste, 'wisgenschaftliche Prüfung von dem 
Appendix der pädagogisch-didaktischen zu entlasten und doch nicht ganz 
auf jede Prüfung in diesem Studienkreise zu verzichten, 80 erscheint auch 
diese Begründung nicht als eine zwingende (Neisse R., Liegnitz R. A.); das
	        

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