Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 81 
einem 80 thörichten Schritte dringend abmahnen und, wenn die Mahnung 
fruchtlos bleibt, eine bezügliche Notiz in das Abgangszeugniss aufnehmen 
wollten (Jauer). 
Werden die oben ausgesprochenen Forderungen erfüllt, dass nur 
Solche Candidaten zur Ableistung des ProbeJjahrs zugelassen werden dürfen, 
welche eine Lehrbefähigung für Prima erworben haben, und dass die Ab- 
leistung des ProbeJjahrs nicht umgangen werden Soll, wird also nur wirklich 
geeigneten Candidaten die Gelegenheit geboten, innerhalb eines Jahres durch 
Anschauung und eigene Thätigkeit Sich mit ihrem Berufe vertraut zu machen, 
80 Scheint mir, wenn ich die gewissenhafte Ausnutzung des ProbeJjahrs vor- 
ausgetze , der Fall, dass am Schluss desselben sich ein Candidat ganz 
unbrauchbar erweisen sollte, nur ganz vereinzelt denkbar; und einem Wwissen- 
Schaftlich tüchtigen und zittlich ernsten Manne gegenüber würde ich über- 
haupt die Hoffnung nicht 80 leicht aufgeben, dass Sein auf die Unterrichts- 
und Erziehungskunst gerichtetes Bestreben schliesslich doch noch von gutem 
Erfolg gekrönt werden wird. 
Solcbe Persönlichkeiten aber, die es ; während der Probezeit an Eifer 
für ihren Beruf in dem Grade fehlen lassen, dass gie sich erhebliche Ver- 
Stösse zu Schulden kommen lassen, und auf die Mahnungen der mit ihrer 
Leitung Betrauten nicht achten, müssten sofort auf disciplinarischem Wege 
zurechtgewiesgen, und, wenn gich dies nutzlos erwiese, entfernt werden. 
Der Fall also, dass eich ein Candidat, der die Voraussetzung genügender 
wisSengchaftlicher Vorbildung erfüllt hat und während des ProbeJjahrs mit 
allem Eifer geine Pflicht zu thun bemüht gewegen ist, selbst einer wohl- 
wollenden Beurtheilung gegenüber als völlig unbrauchbar für das Lehramt 
erweisen gollte, erscheint fast undenkbar. 
Wenn dagegen erwidert wird, dass notorisch unbrauchbare Lehrer 
existiren, 80 dürfte die Mehrzahl derselben wohl erst unbrauchbar geworden 
Sein, weil ihnen entweder die Zucht einer guten Leitung gar nicht oder 
nicht lange genug zu Theil geworden ist, oder weil sie das Bewusstsein von 
der Nothwendigkeit unablässiger Selbstzucht vorloren haben. 
Wenn also, wie wir lebhaft wünschen, die Beurtheilung des Candi- 
daten in vorwiegender Weise von dem Magse geines Pflichteifers abhängig 
gemacht und an erster Stelle denen überlassen wird, die ein Jahr lang geine 
treuen Berather gewegen sind, 80 dürfte der Vorgschlag, die am Schluss der 
Probezeit gsich als ungenügend vorbereitet erweisenden Candidaten noch einer 
weiteren Schulung (Creuzburg, Ohlau, Landeshut) an einer anderen 
Anstalt (Grünberg, Oppeln, Pless) zu unterwerfen, um 80 mehr sich erübrigen, 
als die Mehrzahl der dies vorschlagenden Berichte ohnehin eine zweijährige 
Probezeit fordert. Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich annehme, 
dass die Mehrzahl der sämmtlichen Berichte mit der Ertbheilung eines Zeug- 
Schlezien, ß
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.