Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

4 Zweckmägsigste Einrichtung und Verwaltung von Schnulbibliotheken. 
lings fördernden Weise befriedigt werden muss. Nun dürfte aber das Haus 
wohl nur in den geltensten Fällen im Stande gein, diese Forderung zu er- 
füllen. Folglich fällt der Schule die Aufgabe zu, den Knaben „lesen zu 
lehren,“ des Jünglings Lectüre zu regeln und zu leiten. Wie diese Aufgabe 
ohne das Mittel einer Schülerbibliothek gelöst werden kann, ist geradezu 
unerfindlich. Ferner wird aber die Schule auch der Verpflichtung, „die 
Schüler anzuleiten, eine geistige Befriedigung in einer angemegssenen, ihre 
Bildung fördernden Lectüre zu finden“ (Glogau k., Liegnitz R. A., Patschkau), 
in dem erforderlichen Umfange nicht nachkommen können, wenn Sie einer 
Schülerbibliothek entbehrt. Diese Verpflichtung kann nur derjenige leugnen, 
welcher „die Wichtigkeit der Lectüre für die Ausbildung des Stils und ihre 
Bedeutung für die Belebung und Kräftigung der sittlichen, religiögen und 
patriotigchen Gesinnung“ (Liegnitz R. A.) verkennt und sich der Eingicht 
vergehliesst, dass in den meisten Fächern „die Schulstunden für sich allein 
nicht ausreichen, um den Schüler zu dem durch die Gymnasgialbildung er- 
Strebten Ziel zu führen“ (Breslau Joh. G. Corr. 1. d. Conf.) und dass in 
denjenigen, in welchen der Unterricht vor die Grundlagen legen kann, „be- 
friedigende Erfolge nur bei einer zweckmäsgsig geleiteten Privatlectüre erhofft 
werden dürfen“ (Beuthen: ähnlich Gleiwitz). 
Demnach wird man der von Liegnitz G. aufgestellten Behauptung, 
dass die Schülerbibliothek ein nothwendiges Bildungsmittel, ein integrirender 
Theil des Schulorganismus sei, unbedenklich beistimmen, und wird dem 
Brieger Ref. zugestehen, dass die von ihm angeführten und Schlagend wider- 
legten Einwände gegen die Anlage von vSchülerbibliotheken zwar bei einer 
unzweckmägsigen Einrichtung und Verwaltung geltend gemacht werden 
können, aber nicht die Nothwendigkeit des Instituts selbst zweifelhaft er- 
Scheinen lassen. 
Zweck. 
Auch nach dem Zwecke der Schülerbibliotheken wird nicht geradezu 
gefragt; aber „wer eine solche Bibliothek anlegt, muss über ihren Zweck 
im Klaren gein: wer gie verwaltet, darf ihn nie aus den Augen verlieren“ 
(Breslau, Magd. G.). Daher hat denn auch der bei weitem grösste Theil 
der Gutachten den Zweck mehr oder weniger eingehend erörtert. Es wird 
mehrfach hervorgehoben, dass die Schülerbibliotheken zunächst dazu dienen, 
das Legebedürfniss der Schüler in angemesgener Weise zu befriedigen, 80wie 
der Versuchung zur Lectüre unpassender oder gar schädlicher Bücher vor- 
zubeugen und insbesondere von der Benutzung der Leihbibliotheken abzu- 
halten. Diesen Zweck hatten die ersten der die Schülerbibliotheken betreffenden 
Verordnungen der Behörden ausgesprochener Massen vor Augen; aber Jener 
Standpunkt hat, wie der Ref. von Breslau Joh. G. ausführlich entwickelt, 
allmälig einem höheren weichen mügsen, von welchem aus die meisten Gut-
	        

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