Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 85 
Unterrichtsstoff zu lange in ein und dergelben Hand bleibt, in Routine aus- 
arte; es kann nur zur heilsamen Belebung aller Kräfte beitragen, wenn 
ohne Ueberstürzung und Zwang in angemegsenen Zeiträumen die Lectionen 
neu vertheilt werden. -- 
 
Thesen. 
Aus den voraufgehenden Erörterungen ergeben gich folgende Thegen: 
1. 
10. 
Die Univergitätsbildung kan und Soll nicht die praktische didaktisch-pädago- 
gische Vorbildung des künftigen Lehrers in gich gSchliesgen. Diege kann nur 
an der Schule Selbst erfolgen. | 
Es Sollen Solche Candidaten, die keine ausreichende wissenschaftliche Bildung, 
d. b. in keinem Fache eine Lehrbefähigung für Prima haben, nicht zum Schul- 
amte, inSbesondere auch nicht zur Ableistung des Probejahrs zugelassen werden, 
Es ist nicht weiter zu gestatten, dass die Forderung des Probejahrs 
durch gleichzeitige UVebernahme einer Lehrerstelle illuSorisch gemacht werde. 
Von den für die praktische Fortbildung der Probecandidaten vorgeschlagenen 
Linrichtungen entsprechen die unter Leitung der Proyinzial - Schulcollegien 
Stehenden pädagogischen Seminare, 80wie das Probejahr am Meisten dem Zwecke. 
Nur werden diese Seminare nie alle Candidaten ausbilden können. 
Bei der Fortbildung des Candidaten ist auf dessen Individualität möglichst 
Rückgicht zu nehmen ; für die Aneignung einer zweckmässigen Methode ist ihm 
die volle Freiheit der Selbstentscheidung zu gewähren, 
Philologen Sind in der Regel Gymnasgien, Naturwissgengehaftler in der Regel 
Realschulen zuzuweisen. 
Es ist billig, dass die höheren Bürgerschulen den Realschuülen in dieger Be- 
ziehung gleichgestellt werden. 
Die Wüngche des Candidaten Sind möglichst zu berückgichtigen. 
Der Wechsel der Anstalt ist innerhalb des Probejahrs unzuträglich. 
. Der Candidat Soll nur innerhalb geiner Facultas begschäftigt werden, in der 
Regel in Seinem Hauptfache. 
Lectionen, mit denen Correcturen verbunden Sind, 8ind ihm in der Regel 
erst im zweiten Semester zu übertragen. 
. Kine Begehäftigung in wöchentlich 6--10 Stunden entspricht dem Zwecke geiner 
Fortbildung am meisten; die Stundenzahl kann im zweiten Semester um etwas 
erhöht werden, wenn nicht zugleich eine erhebliche Mehrbelastung durch einen 
Schwierigeren Unterrichtsgegenstand eintritt. 
- Für den ersten Verguch gind die Klassen VI und TI, Sowie für jedes Fach die- 
jenige Klasse auszugchliessen, mit welcher dasgelbe beginnt; in der Kegel 
findet die Begehäftigung in einer unteren Klasse Statt. Für das zweite Semegter 
bietet das Beibehalten des bisherigen Unterrichts nicht geringere Vortheile, als 
ein Wechsel desselben. 
. Die Probezeit Soll ein Jahr nicht überschreiten. Unter Umständen würde ein 
halbes Jahr genügend erscheinen, wenn ein Ausführungsmodus gefunden würde, 
der die dagegen erhobenen Bedenken begeitigte. 
Die Führung des Candidaten ist Pflicht des Directors (oder des von ihm Be- 
auftragten) und des betreffenden Fachlehrers.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.