Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

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Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 
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In der ersten Zeit hospitirt der Candidat und zwar nur in den Stunden, in 
denen er gpäter gelbst unterrichten 8oll. Es genügt, für dieses Hospitiren 
einen Zeitraum von vier Wochen festzuhalten. An das Hospitiren knüpfen Sich 
regelmägsige Besprechungen mit dem Fachlehrer und wenigstens einmal, und 
zwar unmittelbar vor der Vebernahme des Selbständigen Unterrichtes, zugleich 
mit dem Director. 
Dem Selbständigen Unterricht des Candidaten wohnt der Fachlehrer eine kurze 
Zeit hindurch regelmässig, Sodann in angemesgenen Zwischenräumen bei. Regel- 
mäsgige Besprechungen des Candidaten mit dem Fachlehrer bleiben unerlässlich. 
Der Fachlehrer kann nur im Groggen und Ganzen und in der Art für den Unter- 
richt verantwortlich bleiben, dass er auf etwa eintretende erheblichere Uebel- 
Stände Sofort aufmerksam zu machen und deren Abstellung herbeizufübren hat. 
Der Director wohnt (zugleich mit dem Fachlehrer) in regelmässigen ZwiSchen- 
räumen dem Unterrichte des Candidaten bei und knüpft daran in einer beson- 
deren Conferenz geeignete Erörterungen. 
Die Disciplinargewalt ist dem Candidaten in vollem Umfange zu gewähren ; 
es wird dadurch eine auf gegengeitigem Vertrauen beruhende Verständigung 
mit dem Fachlehrer und dem Director in Schwierigen Fällen nicht ausgeschlossen. 
Der Candidat ertheilt die Censuren für Seine Lectionen und giebt bei Ver- 
Setzungen Seine Stimme ab. 
Nach Uebernahme des eigenen Unterrichts erweitert der Candidat geine Kennt- 
niss des Organismus durch Hogpitiren zunächst innerhalb Seines Fachs von VI 
bis I aufsteigend, in jeder Klasse 1--2 Wochen. 
Während der ganzen Probezeit ist er bemüht nach dem Rathe des Directors 
Seinen Begitz an Kenntniss des Unterrichts- und Erziehungswesens durch 
Studium des betreffenden gezchriebenen und gedruckten Materials planmässig 
zu erweitern. 
Am Ende jedes Semesters reicht er dem Director ein Schriftliches Referat über 
einen Theil des ihm übertragenen Unterrichts ein; nachdem auch der Fach- 
lehrer von dem Schriftstück Kenntniss genommen hat, wird dasggelbe in einer 
begonderen Conferenz der drei Betheiligten besprochen. 
Der Candidat nimmt an allen Bewegungen des Schullebens Theil, insbesgondere 
an den Schulfestlichkeiten, Prüfungen, allgemeinen und Fachconferenzen, 
Pospitiren des Candidaten an einer anderen Anstalt, Reigen zum Zweck Seiner 
pädagogischen Fortbildung, Veberwachung zurückgebliebener Schüler Sind nicht 
zu empfehlen. Dagegen ist die Theilnahme an Solchen Vereinigungen empfehlens- 
werth, welche ihn in geinem fachwisSenschaftlichen Studium oder in Seiner 
pädagogisch-didaktischen Ausbildung zu fördern geeignet gind. 
Das Ergebniss des Probejahrs ist in jedem Falle durch ein Zeugniss des Pro- 
vinzial-Schulcollegiums, das auf Grund eines Gutachtens des Directors und der 
betreffenden Fachlehrer ausgestellt wird, festzustellen., 
Lehrer, die das Probejahr abgeleistet haben, werden die Uebungen und Be- 
Schäftigungen des Probejahrs in angemessener Weise fortsetzen. Von Seiten 
der Schulverwaltung ist darauf zu achten, dass durch eine angemesgene Be- 
Schäftigung und durch ein planmägsiges Aufsteigen innerhalb des Organismus 
die Kraft des Lehrers immer wieder nen angeregt und geübt werde. 

	        

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