Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi u. jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogiecher Beziehung. -- Correferat. 89 
Schulen gelbst vorzunehmen, ähnlich wie der Referendar an den Gerichten 
Selbst eine Unterweisung im praktischen Dienste findet. Docendo discimusg, 
auch das docere. Aber wie unsicher ist die Bürgschaft, welche in ihrer 
jetzigen Gestalt und unter jetzigen Verhältnisgen die 80 nothwendige Ein- 
richtung des Probejahrs bietet. Von dem Lehrermangel zu schweigen, der 
die bestehenden Verordnungen grögstentbeils vereitelt, 80 bleibt es für den 
Candidaten eine Glückssache, welchen Director er trifft, welche Fächer, 
welche Klassen ihm zugewiesen werden; auf eines Mannes Urtheil gründet 
Sich schliesslich in den meisten Fällen ein Zeugniss, das unter Umständen 
einen Lebenslauf bestimmt. Daher sind wohl alle Directoren bei ihrem 
Bericht über einen Probanden gehr milde und vorgichtig, indem gie gich 
Selber gsagen, wie gehr gie einer vielleicht günstigen Weiterentwicklung eines 
Candidaten, Seinem späteren Fortkommen hinderlich gein können. - 
Hienach scheint es sich darum zu handeln, Anordnungen dafür zu 
treffen, dass das Probejahr in der rechten Weise abgelegt werde, dass der 
Candidat erweiterte Gelegenheit finde, Sich zu bethätigen, und dass das 
Urtheil über ibn nicht blos in der Hand eines Mannes liege, wie es jetzt 
thatsächlich meistens der Fall ist, während wohl in keiner der andern ge- 
lehrten oder technischen Beamtenklasgen der Candidat einer golcben Gefahr 
ausgegetzt 1st. 
Der Ausfall der Prüfungen pro fac. doc. 
Nun lehrt nach weitverbreiteter und auch in ungern Gutachten wieder- 
holt ausgesprochener Klage die Erfahrung, dass der Ausfall der Prüfungen 
pro fac. doc. gegenwärtig viel zu wünschen übrig lässt. Auch der Cor- 
referent hat bei Bewerbungen viele Zeugnisse einzugehen Gelegenheit gehabt, 
denen erhebliche Mängel anbafteten, und eine grosse Anzahl von Candidaten 
muss Sich, um nur anstellungsfähig zu werden, Nachprüfungen unterziehen. 
Sollte dies allein an der studirenden Jugend liegen, oder wäre vielleicht auch 
aus dieser Rücksicht eine Abänderung des üblichen Studienganges und ungeres 
Prüfungswesens wünschenswerth? Es ist ja wahr, dass sich in den Lehrer- 
Stand jetzt vielleicht mehr wie früher Unberufene eindrängen, aber man 
findet doch auch begabte und fleissige junge Männer, deren Zeugnisse schwer 
erklärliche Mängel aufweisen. Vielleicht wird gegenwärtig, ich will nicht 
Sagen zu viel, aber zu viel auf einmal verlangt. Insbegsondere gind es die 
Schwankenden Forderungen der 80genannten allgemeinen Bildung, die nicht 
allein den Zeugnisswerth im Allgemeinen, Sondern auch die Leistungen der 
Prüfungscandidaten in ihren besonderen Fächern berabgetzen. Der Schluss 
des Trienniums und gelbst einer längeren Studienzeit wird durch diese Rück- 
Sicht der fachwissenschaftlichen Ausbildung des Candidaten nicht gelten zu 
Sehr entzogen, und das ist ein Schlimmerer Mangel, als wenn ihm einstweilen 
noch einige Kenntnisse auf anderen Gebieten fehlen.
	        

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