Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi u. jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. -- Correferat. 91 
b) über ein zweites Examen, 
„Viel mehr Stimmen äusgsern gich für die Nothwendigkeit einer zweiten 
Prüfung: Beuthen, Breslau Friedr., Petermann-Glogau E. G., Hirschberg Dir., 
Kattowitz, Ohlau, Oppeln, Patschkau, Ref. von Sagan, Schweidnitz, Strehlen, 
Gross-Strehlitz, Ref. von Waldenburg, Wohlau, Landeghut, Ref. von Neisge R., 
Tarnowitz. Auch Breglau Magd. hält unter Umständen eine zweite Prüfung 
für nöthig, Breslau Joh. stimmt, wie es scheint, bei, Leobschütz wüngcht 
wenigstens ein Colloquium vor dem Director. Zwar Kein förmliches Examen, 
aber doch die Anfertigung von Referaten und pädagogischen Abhandlungen 
durch den Probanden verlangen ausger manchen von den genannten Brieg, 
Gleiwitz, Glogau K. G., das Collegium von Hirschberg, Ref. von Lauban, 
Ratibor, Collegium von Waldenburg, Sprottau, Striegau, Guhrau u. a. Diege 
Referate Sollen doch wobl einen Anhalt für die Beurtheilung des Candidaten 
geben und stehen daber gehriftlichen Examen-Arbeiten ihrem Wegen nach 
Sehr nahe. Fasst man alle diese Stimmen zusammen, 80 kann gegagt werden, 
dass eine nicht unbeträchtliche Majorität einer Beurtheilung des Candidaten 
nach gewisgen Schriftlichen Leistungen zustimmt, und dass unter ihnen nur 
über die Form dieger Leistungen eine Meinungsverschiedenheit besteht. 
Gründe für eine zweite Prüfung. 
Zur Unterstützung dieger Vorschläge bietet Sich zunächst die Ana- 
logie mit den Elementarlehrern dar; auch diege, die ein viel geringeres Ge- 
biet beherrschen lernen müsggen, haben sich zwei Prüfungen zu unterziehen, 
die durch zwei Jahre praktischer Thätigkeit getrennt sind. Aber auch in 
jedem andern Berufe sind zwei Prüfungen zu bestehen, im Kirchendienst, 
im Gerichtsdienst, in der Medizin. In ungerm Fache hält gich der eben ge- 
prüfte Candidat oft im Wegentlichen für fertig, ein starkes Selbstgefühl ist 
die natürliche Folge. Das Publicum andrergeits gieht diese jungen Leute 
noch nicht recht für voll an, etwa 80 wie Referendare, und die Schätzung 
des ganzen Standes leidet unter dem Glauben, das Lehrfach sei jetzt der 
bequemste Weg zu einem anständigen Unterkommen. Zu frühes Einlaufen 
in einen gicheren Port stumpft erfahrungsmägsig die Lust zu strenger Arbeit 
ab, diese aber allein ist das Heil des Lehrerstandes. Zu jener Zeit, als der 
Lehrer trotz der schlechten Begchaffenheit Seiner künftigen Stellung Jahre 
lang candidiren musste, um ein annehmbares Unterkommen zu finden, wurde 
mehr gearbeitet als jetzt. Edleren Motiven kamen Noth und Ehrgeiz zu 
Hilfe, und 80 lange es Menschen geben wird, wird man diese Motive mit 
im Betracht ziehen müssen. Ist es zu viel verlangt, wenn der Staat den 
Neuling durch einen sanften Zwang mahnen, sich gelbst aber etwas sichern 
Soll? Wollen wir, der jüngste gelehrte Beruf, mit minderen Beweigen ungerer 
Tüchtigkeit, als die andern, die Ehre erkaufen, dem Staate zu dienen? Aus
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.