Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

99 Fortbildung der candidati probandi u. jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung, -- Correferat. 
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drei Gründen ist also die Forderung einer zweiten Prüfung zu empfehlen: 
weil sie den eintretenden Lehrer zu fortgegetztem concentrischen Streben an- 
hält, weil gie den öffentlichen Dienst vor manchen ungeeigneten Elementen 
Schützen und weil gie ungern Stand äusgerlich heben wird. Ich kann der 
Meinung des Herrn Referenten nicht beitreten, welcher fürchtet, dass durch 
ein zweites Examen der Candidat auf eine tiefere Stufe gestellt werde, als 
es durch die thatsächlichen Verhältnisse gerechtfertigt erscheine; eher wird 
er, weil sein Beruf dabei gewinnt, innerlich und äusgerlich gehoben werden. 
Jedenfalls füblen gich Mediziner, Juristen und Theologen dadurch nicht 
herabgesetzt. Dass bei mittelmässigen Naturen die Drohung des Examens 
Keine gröggere Vertiefung der Studien, Sondern höchstens ein vermehrtes 
mechanisches Vorbereiten auf die Prüfung bewirken werde, lässt gich auch 
vom ersten Examen, das doch Niemand entbehren will, behaupten; die 
meisten Menschen gind eben mittelmässig, aber dass diese mittelmägsigen, 
die ja die Masse der Arbeit liefern müsgen, mit möglichster Sicherheit im 
öffentlichen Dienst verwendet werden können, mügste der. Staat in ungerem 
Berufe für ebenso nothwendig halten, wie in jedem andern. Früher, bei 
grosser Menge von Candidaten, hatte das anstellende Patronat die Wahl 
unter den tüchtigsten, heut muss es oft nehmen, wen der Zufall entgegen- 
trägt; eim zweites Examen kann die fehlende Auswahl einigermassen wett 
machen. Und wie ist es denn in Wirklichkeit? Wie zahlreiche Nach- 
prüfungen müssen gemacht werden, um Anstellungsfähigkeit nachzuweisen ! 
Die gröggere Sicherheit, die ein doppeltes Examen gewährt, mügste auch 
deswegen der Behörde angenehm gein, weil dann der grögste Theil der un- 
regelmässigen, Sich der Berechnung entziehenden und darum lägtigen Nach- 
prüfungen fortfallen würde. 
Machen wir uns ein Bild, wie sich, wenn man diese Betrachtungen 
einstweilen gelten lassen will, die Laufbahn des angehenden Lehrers ge- 
Stalten würde. 
Theilung der Prüfung in eine fachwissenschaftliche und eine praktische. 
Nach Schluss des Trienniums unterzieht Sich der Aspirant der ersten 
Prüfung, die einen wegentlich fachwissenschaftlichen Character trägt. Jeder 
wird nur in den Fächern geprüft, für die er aich zum Lehrer ausbilden will. 
Durch diese Beschränkung kann der Philologe, der Historiker, der Mathe- 
matiker nur gewinnen. Wisgengchaftliche Tüchtigkeit in einem nicht zu 
eng begrenzten Fache ist die wahre Vorbedingung für eine gedeihliche 
Lehrerthätigkeit; die einzelnen Wisgenschaften aber haben jetzt eine 80 be- 
deutende Erweiterung und Vertiefung erfahren, dass es in der That schwie- 
riger geworden ist, ihr ganzes Gebiet zu durchmessen und doch zugleich 
auf andern noch einige Kenntnisse zu erwerben oder gich zu erhalten. Die
	        

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