Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naiturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 93 
richtes nach der gedachten Richtung hin Sein, wenn dergelbe nicht gegen 
alle Tierquälerei den Zöglingen bleibenden Abscheu einfiöſste, auch 
gegen Solche, wie Sie von Studenten der Medizin in Form von YVivi- 
Sektionen aus eitler Nachäfferei und ohne die Rechtfertigung eines 
hervorragenden wisSensSchaftlichen Zweckes verübt wird. Aber wir Sind 
hier offenbar Schon an der Grenze desSen angelangt, was als Zweck des 
Unterrichtes und desgen, was Sich nur als Nebenzweck oder als eine 
Folge des richtig erteilten und erfolgreichen Unterrichtes ergiebt. 
Wenn daher mit Bezug auf das praktiSche Verhalten des Menschen 
zur Natur mehrere Referate, inSbesondere das der Breglauer Oberreal- 
Schule ausführen, der Schüler gewinne mit der Freude an ernster Natur- 
betrachtung eine Waffe gegen den Stumpfsinn und die Sucht nach Ge- 
nüsgen, lerne die alberne Furcht und den Abgscbeu vor unschuldigen 
Tieren verbannen, der Roheit gegen Pflanzen und Tiere EKinbalt thun 
und gewinne die Überzeugung, daſs die Naturkörper Mitgeschöpfe Sind, 
die man nicht mutwillig zerstören dürfe, wenn LLeobschütz hervorhebt, 
die Freude an der Natur wirke veredelnd auf das Gemüt des Schülers 
und wirke der leider jetzt Schon früh auftretenden Blagiertheit entgegen, 
wenn Hirschberg auf den reinen Genuſs hinweist, den die Naturbeobach- 
tung Schaffe und die Erquickung und Erholung von den Mühen des 
mensgchlichen Lebens, die Sie gewähre, und ferner, wie auch Beuthen, 
bemerkt, daſs die Beschäftigung mit der Natur uns mit der Bewunderung 
für die Gröfse und Allmacht Gottes erfüllt und 80 dazu beiträgt, das 
religiöSge Gefühl des Menschen zu vertiefen und ihn Selbst zu ver- 
edeln: 80 will Referent die Richtigkeit dieser Behauptungen gern ein- 
räumen, kann aber die angeführten Erwerbungen doch nur als Neben- 
zwecke des naturbeschreibenden Unterrichtes gelten lasgsen, d. h. als 
Solche, die für Sich allein Seine Notwendigkeit nicht begründen würden. 
Dies gilt noch mehr von der Übung in genauer mündlicher Darstellung, 
die von mehreren Seiten als ein wesgentlicher Nutzen des betreffenden 
Unterrichtes betont wird. Gewiſs hat Raumer (Gegchichte der Päd.) 
nicht unrecht, wenn er 8agt, der Naturunterricht beziele Entwickelung 
des Wortes als einer geistigen Blüte aus der Stillen Sinnlichen Betrach- 
tung, ein adäquates Übergetzen der Anschaunungen in Worte und habe 80 
den gröſfsten Einfluſs auf eine gründliche Ausbildung der Muttersprache, 
eine Ausbildung, welche von den Dingen Selbst ausgehe.*) Aber nur 
*) Überschwänglich gcheint und doch wahr ist, was Raumer weiter über die 
Wirkung des naturwisgenschaftlichen Unterrichts auf die Sprachentwicklung anführt. 
„Ja, ich habe es erfahren, wie durch den Naturunterricht erst rechte Neigung und Sinn 
für die Sprache erwacht. Was nämlich dem Anfänger zuerst leiblich, vereinzelt ent-
	        

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