Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 97 
unterrichts*) als das Ziel des naturbeschreibenden Unterrichts vorge- 
Schwebt hat, zwei Dinge, die doch, wenn wir uns auf den gegebenen 
Boden Stellen, Scharf auseinander zu halten Sind. Wer dem naturbe- 
Schreibenden Unterricht die Aufgabe stellt, das Verständnis der wichtig- 
Sten NaturgeSetze und deren inneren ZuSammenhang zu vermitteln, eine 
Aufgabe, die dadurch zum Teil gegenstandslos wird, daſs die wichtigsten 
(0rganischen) Naturgegetze auch yon der Wisgenschaft noch nicht er- 
mittelt Sind, wird nicht umhin können, den naturbeschreibenden Unter- 
richt bis zum Abiturientenexamen ſfortzuSetzen, was von den betreffenden 
Thegenstellern gar nicht beabsichtigt ist. Nimmt man Rückgicht auf den 
Umstand, daſs der naturbeschreibende Unterricht in den mittleren KlassSen 
abschlieſst und nach der überwiegenden Mehrzahl der vorliegenden fach- 
männisSchen und kollegialischen Gutachten auch abschlieſsen Soll, 80 wird 
wohl der FestSetzung des Ziels der Vorzug gegeben werden müsgsen, die 
dasSelbe möglichst niedrig Stellt. 
Am Schwierigsten festzustellen ist das Maſs von Kenntnisgen, welches 
zugleich mit den übrigen Unterrichtszielen zu erreichen iSt, und es muſs 
dies Gegenstand einer besonderen Betrachtung Sein. Schon hier aber 
muſs der AuffasSung entgegengetreten werden, welche in den Referaten 
mehrfach hervortritt, daſs die Erwerbung posgitiver Kenntnisse gegen- 
über der Durchbildung des Anschauungsvermögens als etwas mehr 
Nebengächliches anzusSehen 8ei. Kenntnisse und formale Bildung Sind 
auch beim naturbeschreibenden Unterrichte nicht zu trennen. „Jede 
Gestaltung einer Vorstellungsmasse", Sagt Kern (Pädagogik 8 17), „ist 
formale, aber weil Sie gar nicht ohne Vorstellungen von bestimmtem Inhalt 
gedacht werden kann, zugleich materiale Bildung". Wohlgeordnete 
Kenntnisse werden daher Immer der Sicherste Beweis bleiben, daſs der 
Unterricht 80wohl in formaler als auch in materialer Beziehung Sein 
Ziel erreicht hat, und wo Sie fehlen, wird der Zweifel, ob wohl überhaupt 
ein Erfolg erzielt worden ist, immer berechtigt sein. Der Einwand, 
daſs die pogitiven Kenntnisse mit der Zeit verloren gehen, iSt wenig 
Stichhaltig. „Es kann Niemand", Sagt der Referent der pommersSchen 
Direktorenkonferenz 1885, „die formale Bildung behalten und die mate- 
riale verlieren. Es Sind immer gewisse posgSitive Kenntnisse, die dem 
Menschen das geistige Können geben, welches wir als ein Zeichen 
wahrer Bildung angehen". Was auch dem gut Unterrichteten Später 
verloren geht, Sind immer die weniger wesentlichen KenntnisSe, während 
*) Oder vielleicht das Ziel der ja häufig mit der Naturbesgchreibung verwechgelten 
Naturgegchichte, für welche die erstere aber doch nur Hilfswisgenschaft ist, bezw. eine 
Vorstufe, wie Sie allein für die mittleren und unteren Klagssen paſst. 
Provinz Schlegien, 7
	        

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