Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

100 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 
1. Unterrichte anschaulich! Führe dem Schüler die Naturkörper mög- 
lichst Selbst vor und laſs Sie ihn mit eigenen Augen betrachten, Selbst 
beschreiben und ordnen. 
2. Beginne mit dem Nahen und Bekannten und Schlieſse daran das 
Ferne und Unbekannte. 
3. Schreite vom Leichteren zum Schweren fort! 
4. Erstrebe überall den formalen und materialen Zweck zugleich, 
laſs aber Stets den ersteren Vvorherrschen! 
5. Verteile den Stoffi auf zweckmäſsige Weise: 
6. Beginne mit dem Betrachten einzelner Naturkörper und laſs in 
demselben das Allgemeine erkennen; oder kürzer: Schreite vom Begon- 
deren zum Allgemeinen vor. 
7. Befähige die Schüler zum Selbständigen Untersuchen und Beob- 
achten der Naturkörper. 
Leider verführte die eingeitige Verfolgung eines an Sich ganz rich- 
tigen Prinzips (Regel 7) Lüben dazu, auf der untersten Stufe nur Arten, 
auf der nächsten Gattungen, erst auf der dritten Familien, auf jeder 
Stufe aber alle drei Reiche der Natur zu betrachten. Durch diege 80- 
genannten Konzentrischen Kreise entfernt gich der Unterricht offenbar 
immer mehr von Seiner natürlichen Basis, der Anschauung des Indivi- 
duellen, und wird immer abstrakter. Auch ist man in Kongequenz dieger 
Methode genötigt, Schon auf der untersten Stufe Objekte beschreiben zu 
lasSen, die zu Schwierig Sind, um anders als oberflächlich betrachtet zu 
werden. Der Schnelle Wechsel der Anschanungen endlich, den die Be- 
trachtung aller drei Naturreiche im Laufe eines Jahres bedingt, kann 
nur verwirrend wirken. 
Wesgentlich denselben Standpunkt, wie Lüben, vertritt auch noch 
Baenitz in Seinen vielgebrauchten Lehrbüchern: doch begsehränkt er die 
konzentriSchen Kurse auf die organischen Reiche. Mit Recht bezeichnet 
der Referent von Ohlau es als den Grundirrtum dieger Konzentrischen 
Kurse, daſs Sie die logischen Kategorien und die Entwickelungsreihen 
des SyStems zur Bagis und Norm des naturkundlichen Unterrichts machen. 
Jeder Unterricht Sei eine Anwendung der PSychologie und werde als Solche 
nicht durch logische, Sondern durch psychologische Gegetze bestimmt. 
Darum Sei es falsch, mit Baenitz den ersten Unterricht auf das Beobachten 
und Beschreiben der Naturkörper zu beschränken:; der Schüler beherrsche 
die dazu erforderlichen Denkformen bereits genügend, um das durch Beob- 
achtung und Begchreibung zur Apperception Gebrachte an die früher ge- 
wonnene Perceptionsmasse anzufügen , mit einem Worte, um mit Unter- 
Stützung des Lehrers Schon auf der untersten Stufe einfache Naturobjekte
	        

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