Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 103 
Schüler am leichtesten fällt, der also auch Schon darum vorangehen 
müſste, den Familienbegriff, gar erst auf der vierten Stufe -- Vogel 
und Genossen auf der dritten; beide erschweren dadurch die Einführung 
des Schülers in das natürliche PflanzensyStem noch mehr als durch die 
frühzeitige Herbeiziehung des Linneschen SysStems, das, wenn nicht über- 
haupt, jedenfalls in V und IV noch völlig zu entbehren ist. Auch ist 
nicht einzugehen, weghalb Bail, gleich Vogel und Genossen, auf der 
untersten Stufe das in formaler wie materialer Beziehung 80 hochwichtige 
Vergleichen der Naturkörper als Ganzes noch völlig ausschlieſst, während, 
wie Schon oben gegagt (8. 100), Selbst die Denkfähigkeit des Sextaners 
Schon hinreichend entwickelt ist, um ihr Solche Vergleiche zuzumuten, 
die ihr ja thatsächlich in fast allen anderen Unterrichtsgegenständen 
ebenfalls zugemutet werden. Man unterläſst es eben nur dem logischen 
Schema zu Liebe, welches glaubt, Beobachten, Vergleichen und Schlieſsen 
(Bestimmen) als getrennte Unterrichtsstufen behandeln zu Sollen, während 
die geistige Entwickelung des Schülers von einer Solchen Trennung 
nichts weiſs.*) Für die Bestimmung der Methode wie des Umfanges der 
Kenntnisse dürfen nicht logische oder SyStematische oder Sonst WISSen- 
Schaftliche, Sondern nur didaktische RückgSichten maſsgebend Sein, und 
wurzeln, wie der Ref. von Ohlau Sebr richtig bemerkt, in der geistigen 
Entwickelung. Jeder Versuch, diese in eine andere Richtung zu treiben, 
als die ihr natürlich ist, führt zu einem auf die Dauer immer nnleid- 
licher werdenden Zwange. 
5. Die naturgeschichtlichen Schulbücher. 
Aus dem Vorstehenden geht bereits hervor, daſs die Frage nach der 
besten Methode des naturbeschreibenden Unterrichtes Sich thatsächlich 
umgewandelt hat in die Frage nach dem besten Lehrbuche dieses 
Unterrichts; diese Verschiebung aber, welche die weitere Vervollkommnung 
der Methode aufhalten muſs, beruht, wie Sich leicht ergiebt, auf einer 
Verwechslung. Das Schullehrbuch oder der Leitfaden Sind für die Hand 
des Schülers bestimmt und darum 80 abzufasSgen, daſs Sie dieSem die 
besten Dienste leisten. Und das werden Sie, wenn Sie Sich einerSeits an 
den Unterricht anschlieſgen, anderergeits die Wiederholung der wesSent- 
lichen Unterrichtsergebnisse und insbesondere die Übergicht über dieselben 
*) Man wird dabei lebhaft an die Bestrebungen Karl Ferdinand Beckers erinnert, 
der in geinen Sprachforschungen gich behanntlich von dem Irrtum leiten lieſs, daſs 
Sprache und Logik gich decken. Die Nutzanwendung, welche Raimund Wurgt in Seiner 
„Sprachdenklehre" dem Beckerschen Gedanken gegeben, ist glücklicherweise ein Jängst 
überwundener Standpunkt,
	        

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