Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat, 105 
die Ergebnisse des jedesmaligen Unterrichts Wenigstens in allen Wesgent- 
lichen Punkten enthalten, damit der Schüler Sich diegSelben, Soweit Sie 
verblaſst Sind, ins Gedächtnis zurückrufen kann, es muſs als0o immer von 
der BesSchreibung ausgehen gleich den methodischen Lehrbüchern; gleich 
diesen auch die Ergebnisse der Vergleichungen, die SyStematiSchen Be- 
griffe in möglichst übersichtlicher Form darstellen, Soll aber die Mängel 
der methodiSchen Lehrbücher vermeiden: die undidaktische Gliederung 
des Stoffes nach SyStematischen Begriffen, die Verzettelung des Sachlich 
ZuSammengehörigen und die willkürliche Auswahl, die dem Lehrer 
Spanische Schnürstiefeln anlegen". (Breslau Magdal.) Es muls also 
methodisch und Systematisch zugleich Sein; denn übersichtlich wird das 
Ganze nur bei SyStematischer Anordnung, die jedem Naturkörper „einen 
fest bestimmten, wo möglich Schon an einer Abbildung erkennbaren Platz 
einräumt, 80 daſs Sich das SysStem Schon beim bloſsen Aufschlagen immer 
von neuem einprägt“. (Breslau Magdal.) 
Solche methodischen Lehrbücher mit Systematischer Anordnung Sind 
in Oesterreich, wo allerdings der naturbeschreibende Unterricht Sich 
längst auch an den Gymnagien gröſserer Pflege erfreut, vorhanden; das 
bekannteste „Pokorny's Hlustrierte Naturgeschichte“ hat hier und da wohl 
auch in Deutschland Eingang gefunden, genügt aber, nur für die untere 
Stufe berechnet, nicht den BedürfnisSgen ungerer höheren Lehranstalten. 
Immerhin zeigt es den Weg, wie man zu einem Lehrbuch für den Schüler 
gelangen kann, das die oben gerügten Übelstände, die Sich bei der Be- 
nutzung der einSeitig methodischen Lehrbücher ergeben, vermeidet. Das 
iSt aber Dur möglich, wenn man Sich klar gemacht hat und daran festbält, 
daſs das Schulbuch nicht zur Belehrung des Lehrers, wie er unter- 
richten Soll, Sondern des Schülers, wie er lernen Soll, bestimmt 
iSt, daſs es Sich der Unterrichtsmethode des Lehrers acCc0omoO- 
dieren, ihm diegelbe aber nicht diktieren So11*). 
Die vorliegenden Referate bieten zur Klarstellung des Verhältnisses 
zwiSchen Lehrbuch und Unterrichtsmethode, eines Verhältnisses, das für 
den Erfolg des Unterrichts denn doch von grofser Wichtigkeit ist, leider 
*) Beherzigenswert ist, was in dieser Beziehung die Eneyklopädie des gesamten 
Erziehungs- und Unterrichtswesens VIL 905 8agt: „Die Geltung des Schulbuches als 
eines für den Lehrer verbindlichen Leitfadens kann 80wohl als eine Garantie für die 
Herrschaft gewisser Grundgätze und Anschauungen im Unterricht betrachtet werden, 
wie auch als eine Bürgschaft dafür, daſs ein gewisSes Pengum des Unterrichtsstoffs 
regelmäſsig und in geordnetem Lehrgange absolviert werde. Das erstere Prinzip ist 
Zwar nicht absolut verwerflich, wohl aber tast immer bedenklich und leicht mit einem 
Miſsbrauch des Unterrichtswegens zu fremdartigen Zwecken verbunden , wie z. B. im 
gegchichtlichen Unterricht des napoleonischen Frankreichs; das letztere bringt die
	        

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