Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

106 Ziel und Methode des naturbesgehreibenden Unterrichts. Referat. 
Sehr wenig Material. Die meisten Scheinen diese Frage mit der Ein- 
führung eines Streng methodischen Lehrbuchs als gelöst anzusehen, Wozu 
vielleicht auch der Umstand beigetragen hat, daſs dasSelbe Sich ihnen 
als ein Solches angekündigt, das im engsten Anschlusse an die neuen 
Lehrpläne bearbeitet Sei. In Wirklichkeit muſste Sich dieser Anschluſs 
darauf beschränken, daſs es die vortrefflichen allgemeinen GrundSätze 
befolgt, die in kürzester Form in den Erläuterungen zur neuen Lehr- 
verfasSung (S. 17) gegeben 8ind. Kine weitergehende Vorgchrift über die 
Methode bat die UnterrichtSbehörde auch 1883 (Allgemeine Bestim- 
mungen etc.) wohlweislich nicht erlasSen, Konzentrische Kurse oder Kurse 
überhaupt, einen Kanon der zu bescheibenden Naturobjekte u. s. w. kennen 
die vorhandenen Bestimmungen nicht. Es wird also wohl gestattet Sein, 
Sich die Ausführung jener methodischen Norm auch etwas anders zu 
denken und von der Freiheit Gebrauch zu machen, welche die Behörde 
mit gutem Bedacht den Schulen auch auf diesgem Gebiete läſst. 
Wer, wie R., diesen Standpunkt einnimmt, auf den muſs es allerdings 
einen, wenigstens Im ersten Augenblick, befremdenden Eindruck machen, daſs 
in den Referaten mehrfach gerade das gelobt wird, was er glaubt tadeln 
zu Sollen. Aber wir bleiben über die Gründe nicht lange im Zweifel, 
wenn wir folgende Urteile hören: Breslau Matth. G.: „Dem natur- 
geschichtlichen Unterricht ist ein nach methodischen Grundsätzen abge- 
faſsStes Lehrbuch zu Grunde zu legen, am besten ein Solches, in welchem 
die einzelnen Klasgenpensa durch zweckmäſsige Verteilung des Stoffes 
abgegrenzt Sind. Die Lehrbücher von Vogel, Müllenhof, Kienitz-Gerloff, 
ebenso die von Bail gelten zur Zeit für die brauchbarsten. So vortrefflich 
dagegen an Sich auch die an der Mehrzahl der SchlesSiSchen höheren 
Lehranstalten noch gegenwärtig in Gebrauch Stehenden Lehrbücher von 
oSchilling Sind, 80 wenig eignen gie Sich für die methodische Behandlung 
des Unterrichts. Ja, ich möchte gerade die Benutzung dieser und ähn- 
licher Lehrbücher als den wahrgscheinlichsten Grund dafür angehen, daſs 
auf Sehr vielen Anstalten der Provinz den Ministerialverfügungen v. J. 
1882 und 1883 zur Zeit, also nach 4 bis 5 Jahren Seit dem Erlaſs der- 
Selben, noch nicht entsprochen ist. Sobald an einer Ansgtalt das geeignete 
Lehrbuch eingeführt ist, dann muſs der Lehrer, und begonders aun Solchen 
Gefahr einer zu weit gehenden Mechanigierung des Unterrichts und eines Erstarrens im 
didaktigchen Dogma mit sich, vermag aber, wenn dieger Gefahr durch rege Fortbildung 
und liberale Anwendung der betreffenden Normen entgegengewirkt wird, namentlich 
im Volksschulwesen gute Dienste zu leisten . . . Dabei darf jedoch für den Schüler 
trotzdem nicht das Buch über den Lehrer gestellt werden. Den Schüler geht dies 
Verhältnis überhaupt nichts an, und die ungeschwächte persönliche Autorität des Lehrers 
ist eine pädagogische Notwendigkeit, die nie verkannt werden gollte".
	        

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