Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

HBestrobungen auf Herstellung der Einheitsschule. Referat. 5 
daſs aus dem Gymnagium „arbeitsunlustige Herren" hervorgehen, 80 wäre 
dieges allerdings baldigst zu begeitigen. Es ist nichts leichter als dem 
NichtwisSenden oder HalbwisSenden einzureden, daſs eine Schule, die 
ihre Arbeitsstoffe nicht aus dem öffentlichen Markte entnimmt, nur Leute 
erziehen könne, die für das praktische Leben -- und am Ende 1st jeder 
Lebensberuf praktisch -- nicht zu brauchen Seien, ausgenommen etwa 
als Theologen und Philologen, als ob es einen Stand oder Beruf gäbe, 
der in das praktische Leben mehr eingriffe, als der der Geistlichen und 
Lehrer. | - 
Und von dem Höchsten, was das Gymnagium hat und giebt, von der 
Idealität will man nichts wisSen, weil man Sie von der Vorstellung eines 
unpraktischen Menschen nicht zu trennen im stande iSt, und von der all- 
gemeinen Bildung, wie gie das Gymnasgium versteht, will man ebenso 
wenig hören; denn „allgemeine Bildung ist Phrase", 8agt Kühn S. 36. 
Die Gymnagialbildung reicht Selbstverständlich nicht aus, um mitihren 
angeblich vom praktiSchen Leben abführenden Unterrichtsstoſffen für 
dieges vorzubereiten; ja in den Verhandlungen des Vereins für Sozial- 
politik wurde, wie Kühn S. 3 berichtet, die gegen das Gymnasium ge- 
richtete Forderung aufgestellt: „Es ist von Wichtigkeit, daſs die jungen 
Leute durch die Schule nicht für das praktische Leben verdorben werden." 
Aber auch für die Fächer, deren wisgenschaftlicher Betrieb den Universi- 
täten obliegt, vor allem für das Studium der Medizin Soll das Gymnasium 
nicht mehr die geeignete Vorbereitungsstätte Sein. (Vergl. Ziel „Die 
ProfesSoren v. Esmarch, Billrotbh und Bezold über Gymnasial- und Real- 
bildung für angehende Mediziner" in den Neuen Jahrb. für Phil. u. Päd. 
Bd. 134 8. 411.) 
Solchen Vorwürfen gegenüber wird man gich vergegenwärtigen müSSen, 
daſs keine Schulorganigation, die für Tausgende von Schülern eingerichtet 
iSt, welche Sich nach AbSolvierung der Schule den verschiedensten Berufs- 
arten zuwenden, jemals im Stande Sein kann, auch nur für wenige der- 
Selben praktische Vorbildung zu geben, und daſs, Selbst wenn dies möglich 
wäre, es dennoch besser wäre, Statt dergelben die vielgeschmähte, „all- 
gemeine Bildung" zu vermitteln. Was den ersten dieser beiden Sätze 
anbetrifft, 80 wüſste ich aus meiner Erfahrung nichts anzuführen, Was 
mich an die Möglichkeit einer praktischen Fachvorbildung auf Angtalten 
von der Zahl und Frequenz unsgerer Gymnagien glauben lieſse, einer 
Bildung, meine ich, die ohne weiteres im praktischen Berufe verwendbar 
wäre, da der Schule -- und das ist ihr wichtigster GegensSatz zum Leben 
-- die ausreichende Übung und Anwendung fehlt, und da die Schule,
	        

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