Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 11 3 
IinSbeSondere einem Solchen, der die Schwierigkeiten des naturbeschrei- 
benden Unterrichts aus eigener Erfahrung nicht nur kennt, Sondern in 
längerer Praxis überwunden hat, daſs ihm das Prädikat eines natur- 
historischen Fachlehrers und kompetenten Beurteilers der vorliegenden 
Fragen mit vollem Recht zukommt. Der Referent von Waldenburg gagt 
über die Qualifikation zum naturbeschreibenden Unterricht u. a.: „Unbe- 
dingtes und erstes Erfordernis ist es (daher), daſs der Unterricht nur 
Solchen Lehrern anvertraut werde, die nicht nur den Stoff Selbst in um- 
fasSender Weise beherrsSchen, Sondern auch zugleich Selbst von lebendigem 
Interesse und wahrer Begeisterung für den Gegenstand durchdrungen 
Sind; nur 80 wird auch Liebe und Interesse für die Sache zugleich bei 
den Schülern geweckt werden können. Danach dürfte die Anstellung 
besonderer, in erster Reihe für den Unterricht in den beschreibenden 
NaturwisSenschaften auf der Univergität vorgebildeter Lehrer auch an 
den Gymnagilien zu verlangen Sein und nicht mehr die Falkultas für den 
Naturgeschichtsunterricht als ein bloſses Appendix für den mathematischen 
Lehrer betrachtet werden." Gegen die letztere, in anderer Form von 
dem Ref. v. Neustadt, Striegau u. Groſfs-Strelitz gestellte Forderung 
erklärt Sich einstimmig das Lehrer-Kollegium von Groſs-Strelitz, wäh- 
rend die betreffenden anderen Kollegien keine Stellung dazu nehmen. 
Aber der Besitz umfasSender KenntnissSe macht noch lange keinen 
guten Naturgeschichtslehrer aus, auch nicht, daſs er Sich über die Theorie 
einer guten Methode klar ist; vielmehr gehört zu einem gute Erfolge 
erzielenden Lehrer der Naturbeschreibung noch ein begonderes Lehr- 
geschick. Dieser Unterricht verlangt, daſs der Lehrer unter erschwerenden 
Umständen, die er Selbst, um Seine Aufgabe zu lögen, herbeiführen muſs, 
Disciplin halte; er muſs, während er Sich nur einem Teile der Klagge 
widmen Kann, die anderen Schüler nicht bloſs im Auge behalten, Sondern 
zweckdienlich beschäftigen, muſs Seine Augen und Ohren gleichsam überall 
haben, darf dabei aber nicht eiSserne Strenge walten lasSen, die den 
Schülern die Freude am Unterrichte nehmen würde, Sondern muſs durch 
Weckung eines anhaltenden Interesses die Neigung zu Überschreitungen, 
zu denen Sich fortwährend Anlaſs bietet, womöglich im Keim ersticken. 
Er muſs insbesondere die Gabe anregender Schilderung begitzen, um den 
Unterricht, der in den Händen eines Pedanten gehr bald ermüdet (Wal- 
denburg), in der richtigen Weise zu beleben. Endlich muſs er das Talent 
besitzen, bald mit wenigen Kreidestrichen das Charakteristische eines 
Naturobjektes an die Tafel zu werfen, bald ein detaillierteres Bild vor 
den Augen der Schüler entstehen zu lasgen. Daſs er noch Geschick zu 
manchem anderen, wie insbesondere zum Sammeln, Präparieren, Auf- 
Provinz Schlegien,
	        

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