Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 119 
Kollegien ebensowenig Beifall finden, wie in dem dortigen, würden auch 
nur etwa für die mittlere Stufe anwendbar Sein und bieten erfahrungs- 
mäſsig wenig erfreuliche Regultate. Gute naturhistoriSche Schilderungen 
erfordern eine StilistiSche MeistersSchaft, wie Sie auch unter den Natur- 
forschern Selten iSt, bloſsen Beschreibungen haftet etwas trockenes und 
einförmiges an, wenn Sie als Stilproben gelten Sollen. 
Daſs die Stellung des naturbeschreibenden Unterrichts überall, auch 
an den bumanistischen Gymnagien, Schon eine gefestigte Seil, Was ja eine 
Vorbedingung ist, wenn er Seinen Zweck erfüllen Soll, Scheint uns trotz 
der (etwas Sanguinisch klingenden) VersSicherung des Referenten von 
Brieg*) doch noch zweifelhaft; manche Anzeichen Sprechen nicht dafür, 
Sondern legen die Vermutung nahe, daſs dieser Unterricht doch hier und da 
noch als ein Fremdling angesehen wird, der Sich über Seine Heimats- 
berechtigung erst ausweisen Soll, Wo das aber der Fall ist, wird auch 
der tüchtigste und eifrigste Lehrer wenig Erfolge erzielen. IsSt doch 
Schon der Gedanke, daſs die Herren Kollegen Seiner Lehrthätigkeit mit 
Gleichgültigkeit, wenn nicht gar mit geheimem Widerwillen zugehen, 
Sehr geeignet die Lehrfreudigkeit herabzudrücken. **) 
8. Die Methode der einzelnen naturbeschreibenden Diseiplinen. 
Daſs die Methodik des naturbeschreibenden Unterrichts in den letzten 
Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, erkennen Schon die Erläuterungen 
zum Lehrplan der Realgymnasien etc. an, daſs Sie bei den zablreichen 
Schwierigkeiten der Aufgabe und in der verhältnismäſsig kurzen Zeit, 
Seit überhaupt von einer Methode hier die Rede Sein Kann, trotz aller 
Bemühungen der weiteren Vervollkommnung noch Sehr bedürftig ist, 
kann keinem Kundigen entgehen. Um die formalen Ziele nicht minder 
*) „Die Berechtigung des naturbeschreibenden Unterrichts auf dem Gymnasium 
wird heut nicht mehr bestritten; man kann vielmehr behaupten, daſs er bereits jetzt 
ein wegentliches, mit dem Organismus des Ganzen lebendig verwachsenes Glied dar- 
Stellt. Es hat gich 80 gefügt, daſs die Naturbeschreibung trotz des anfänglichen Wider- 
gtandes auf dem erkämpften Boden fester steht; denn mancher derjenigen Unterrichts- 
gegenstände, welche dem Eindringlinge den Zugang zu den Bildungsstätten der J ugend 
zu verwehren guchten." ' 
*%*) Um einergeits zu beweisen, daſs das nicht leere, aus der Luft gegriffene Ver- 
mutungen gind und zugleich an geinem Teile dazu bei zu tragen, daſs die Stellung 
des naturbeschreibenden Unterrichts überall die der Wichtigkeit des Gegenstandes 
entsprechende wird, kann Ref. nicht unerwähnt lassen, daſs bei der Beratung des vor- 
liegenden Themas im Lehrerkollegium eines kleinen humanistischen Gymnagiums fünf 
Mitglieder desgelben zu Protokoll gaben, daſs Sie aus Mangel an Sachkenntnis zich ein 
Urteil über den Gegenstand der Tagesordnung nicht bilden und gich deshalb an De- 
batte und Abstimmung nicht beteiligen könnten. Eines Kommentars hierzu bedarf es 
wohl nicht.
	        

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