Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

 
1 90 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat, 
wie die materialen zu erreichen, muſs der Fachlehrer auf jeder Unter- 
richtsstufe Sich bewuſst bleiben, daſs jede Stufe, auch die unterste, bereits 
an der Erreichung der Gegamtziele einen wegentlichen Anteil hat. Wer 
beim naturbeschreibenden Unterrichte nur die nächsten Ziele, die Klasgen- 
pensen, im Auge hat, wird nur in beschränktem Maſse den richtigen Grund 
legen für die weiteren Stockwerke, die darauf aufgeführt werden Sollen. 
In den Referaten begegnen wir vielfach, ja überwiegend der Ansgicht, 
daſs die verschiedenen naturhistorischen Digeiplinen, Sämtlich diegelbe 
methodische Behandlung fordern oder gestatten. Dies ist aber doch nur 
im allgemeinen oder theoretischen Sinne richtig. Maſsgebend ist für alle 
zunächst die induktive Methode, welche durch Beobachtung und Ver- 
gleichung der Schüler die Anschanungen gewinnen läſst, aus denen Sich 
allmählich das Lehrgebäude aufbaut. Für den weiteren Ausbau aber 
und für die feste und übergichtliche Gliederung aller Teile ist vielfach 
das deduktive Verfahren auch Schon in der Naturbeschreibung, geschweige 
denn in der Physik und Chemie, nicht zu entbehren. Nur wenige Re- 
ferate, wie Brieg, Görlitz, Ohlau gagen dies in verschiedener Formu- 
mulierung ausdrücklich, die meisten nur implicite, indem Sie den Wert 
der Bestimmungsübungen hervorheben. Daneben aber huldigen alle, 
meist ohne Sich desgen weiter zu berühmen, gewiſs mehr oder minder 
dem dogmatischen d. h. vortragenden Verfahren. Und dies iSt, wenn nicht 
auf Jede Abrundung und Vervollständigung der gewonnenen Anschauungen 
verzichtet werden Soll, auch gar nicht zu vermeiden. Leider wird die 
letztere Methode wohl nicht Selten, ja wohl öfter als gut ist, aus rein 
äuſserlichen Gründen, die zum Teil oben (Abschnitt 6 und 7) bereits zur 
Sprache gekommen Sind, angewendet, und damit wird ein guter Teil 
namentlich der formalen Unterrichtszwecke preisgegeben. 
Die ganz unleugbare Thatgache, daſs die Methodik des zoologischen 
und noch mehr des mineralogischen Unterrichts trotz aller principiellen 
Übereinstimmung gich in der Praxis doch ganz erheblich anders ge- 
Staltet als die botanische, rechtfertigt es, jede einer besonderen Be- 
trachtung zu unterziehen, wobei wir, um Wiederholungen zu vermeiden, 
freilich gelegentlich auf das früher Gegagte stillschweigend zurückweisen 
MmüÜSSeN. 
a Die Methode des botanischen Unterrichts.*) 
Der botanische Unterricht bat vor dem Zzoologischen und minera- 
logischen den Vorzug, daſs er die auf Beobachtung und Vergleichung 
*) Über diesgelbe verdanken wir dem Herrn Prof. Dr. Kögtler eine in theore- 
tiScher wie praktischer Beziehung gleich ausgezeichnete Abhandlung, die er im Jahres-
	        

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