Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 121 
beruhende induktive Methode am vollständigsten und reinsten zu ver- 
wirklichen gestattet, und daſs er mehr als die übrigen Gelegenheit giebt, 
die Selbstthätigkeit des Schülers nicht nur anzuregen, Sondern auch zu 
befriedigen. Darum ist die Botanik begonders für die Erreichung der 
formalen Bildungsziele des naturb. Unterrichts die wichtigste der drei 
Digciplinen und ihre Methode gleichsam die typiSche, auch für die beiden 
anderen vorbildliche. 
Die induktive Methode fordert, daſs jeder Schüler den Unterrichts- 
gegenstand, bier also das Naturobjekt, Selbst Sieht, nicht aus beliebiger 
Entfernung, Sondern je nach der Gröſse des gerade ins Auge zu fassen- 
den Ganzen, oder teils in derjenigen Sehweite, die Seinem eigenen Auge 
angemessen ist. Dazu muſs er in den meisten Fällen den Gegenstand 
in die Hand bekommen; dies ist aber auch Schon deghalb nötig, damit 
der Tastsinn, der uns über Form, Gröſse, Oberflächenbeschaffenheit etc. 
näher belehrt, als Muskelsinn aber über die Schwere Aufschluſs giebt, 
das Gegicht unterstützen, desSen Wahrnehmungen ergänzen und vervoll- 
Ständigen kann. Daſs unter Umständen aber auch die anderen Sinne, 
bei pflanzlichen Objekten insbesondere der Geruchs- und Geschmackssinn, 
zu einer erschöpfenden Beobachtung heranzuziehen Sind, liegt auf der 
Hand. Alle aber fordern die unmittelbare Verfügung über das Beobachtungs- 
material. 
'Begorgen der Pflanzen. Daraus erwächst dem Lehrer Sogleich 
die Aufgabe, 80 zahlreiche, möglichst vollständige, gleichartige Unterrichts- 
objekte, als Schüler in der Klasse Sind, für den botanischen Unterricht also 
frigche Pflanzen in blühenden und womöglich auch fruchttragenden Kxem- 
plaren, zu begorgen.*) Es hängt aber die Lögung dieser Aufgabe 80 viel- 
fach von lokalen, von WitterungsverbältnisSen, von der Jahregszeit etc. ab, 
daſs eine allgemein gültige Anweisung Sich dafür nicht geben läſst. Nicht 
bericht des Naumburger Domgymnaginms 1887 veröffentlicht hat. Diegelbe ist nicht 
nur Anfängern im naturhistorischen Lehrfach zur Vorbereitung auf die Unterrichts- 
praxis auf das wärmste zu empfehlen, Sondern wird selbst erfahrenen Lehrern noch 
manches Neue und Beherzigenswerte bieten. Nur in verhältnismäſsig wenigen , aber 
allerdings wegentlichen Punkten, die gsich aus den Kongequenzen Seiner bereits ent- 
wickelten Angichten über die Methode ergeben, weicht Ref. von Kögtler, ab, wie das 
folgende ergeben wird. Auch einigen der Spezialreferenten ist die Köstlersche Ab- 
handlung bereits bekannt, wie mehrfache Anführungen daraus zeigen. 
*) Fast alle Referate beschäftigen Sich mit der Frage der Pflanzenbesorgung, 
ein Beweis, daſs ihre Wichtigkeit vollauf erkannt ist. Sehr eingehend ist gie nament- 
lich von Glogau ev. G. behandelt, der Raum gestattet es nicht, die verschiedenen 
Vorgehläge aufzuführen; die Angicht des Ref. kann als ein Kompromiſs zwischen den- 
Selben betrachtet werden.
	        

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