Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel. und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 123 
helfen, muſs man das Feld räumen und gich nach zugänglicheren Stand- 
orten umgehen. Daſs der Lehrer vor allem Selbst mit den betreffenden 
Standorten genau bekannt Sein und Sich bezüglich ihrer auch auf dem 
Laufenden erhalten muſs, bedarf kaum der Erwähnung.*) Auch in grofsen 
otädten muſs die Begorgung der Pflanzen aus der freien Natur nach Mög- 
lichkeit festgehalten werden; denn daſs auch die Anlegung von Schul- 
gärten immer nur einen teilweisen und notdürftigen Ergatz dafür bietet, 
wird von keiner Seite bestritten. | 
Auswahl der zu beschreibenden Pflanzen. Nur wenn der 
Lehrer die Besorgung der Pflanzen leitet und überwacht, ist eine Bürg- 
Schaft dafür gegeben, daſs eine zweckentsprechende Auswahl getroffen 
wird. 'Die richtigen Pflanzen zur BesSchreibung auszuwählen, iSl nament- 
lich auf den unteren Unterrichtsstufen eine Hauptsorge des Lehrers. 
Denn nur 80 kann mit dem materialen Ziele der Pflanzenkenntnis auch 
der formale Unterrichtszweck erreicht werden. Da der Schüler das 
Beobachten an möglichst leicht zu übergehenden Formen erst lernen 
muſs, Sind anfangs anSehnlichere Pflanzen mit einfachen und nicht zu 
kleinen Blättern und gröſseren, einfach gebauten Blüten ohne RückSicht 
auf ihre SyStematiscbe Stellung zu wählen. Den botanischen Anfangs- 
unterricht auf die Blattformen zu beschränken, Scheint nicht angemessen, 
weil das Ziel der VI damit zu eng gesteckt wäre, und der Gegenstand 
dadurch ein zu einförmiges Gepräge erhielte, das immer ermüdend wirkt. 
Es muſs aber der naturbeschreibende Unterricht, wie Schon oben gegagt 
iSt, von vornherein damit rechnen, das Interesse der Schüler nicht nur 
anzuregen, Sondern auch zu nähren. 
Weitere GesichtsSpunkte. Darum empfiehlt es Sich, die Pflanze 
dem Schüler von vornherein als ein Ganzes, ja, Wovon Später zu reden, 
als ein lebendiges Ganze entgegen zu bringen. Daher lasse der Lehrer 
vor Beginn der Beschreibung die Schüler, welche die Pflanze allein oder 
unter Seiner Leitung besorgt haben, Bericht darüber erstatten, wo Sie 
die Pflanze gefunden, in welcher Umgebung, welche Beobachtung Sie bei 
der LoSlöSung gemacht und, falls Sich inzwiSchen ihr AuggSehen yYer- 
ändert, mehr oder weniger welk geworden ist, wie Sie ausgeSehen, als 
Sie noch im mütterlichen Boden wurzelte, So werden die Schüler von 
vornherein auf den einzig richtigen Standpunkt der Betrachtung gestellt, 
welche fordert, in der Pflanze ein lebendiges Wegen, einen OrganiSmus 
*) Mit Recht wird von mehreren Referenten die Pflicht des Lehrers hervor- 
gehoben, möglichst zu verhindern, daſs 8chöne und geltene Pflanzen durch die Schüler 
bei ihren botanischen Ausflügen ausgerottet werden, was, wie Freiburg an einzelnen 
Beispielen zeigt, vielfach Schon geschehen ist,
	        

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