Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

124 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 
zu Sehen, der an bestimmte Lebensbedingungen gebunden ist und zu 
Grunde geht, wenn er dengelben entrisgen wird. Es wäre aber durchaus 
nicht ersprieſslich, dem Schüler auf dieser Stufe mehr darüber zu Sagen, 
als was Sich ihm Selbst davon aufdrängt. 
Die ausgewählten Pflanzen müssSen aber nicht nur nach dem Grund- 
Satze Lübens: Schreite vom Leichteren zum Schwereren fort, ausgewählt, 
Sondern Sie müssen auch charakteristisch, d. h. geeignet Sein, die ein- 
fachsten morphologiSchen Elemente daran zur Anschauung zu bringen; 
denn die Morphologie ist der rote Faden, von dem Sich der Lebrer beim 
Anfangsunterricht leiten lasSgen muſs, wenn er den Zögling dabin bringen 
will, aus der Fülle der gewonnenen Anschanungen das Gemeingame und 
GeSetzmäſsige zu abstrahleren. 
Die Spezielle Unterrichtspraxis. Nachdem die friSchen Pflanzen 
am besten von den Schülern, die Sie besorgt, andernfalls von denen, die 
ein für alle Mal dazu bestimmt Sind, unter Aufsicht des Lehrers rasch 
verteilt und ebenso festgestellt ist, daſs jeder Schüler Sich im Begitz 
eines brauchbaren Exemplars befindet, alles den Unterricht Störende, 
auch des Lehrbuch vom Tische entfernt, dagegen ein weiſses (Quart-) 
Blatt nnbeschriebenen Papiers*) vor Sich ausgebreitet und die Pflanze in 
der Hand bat, beginnt der Unterricht mit der kurzen Berichterstattung 
über die äuſseren LebensverhältnissSe der Pflanze, wie Sie die Schüler 
. beim Sammeln beobachtet haben oder der Lehrer in dem oben ange- 
gebenen Sinne zu geben für angemesgsen hält.**) Handelt es Sich um 
eine allen, oder, wie Sich herausstellt, vielen bekannte Pflanze, 80 iSt 
Selbstverständlich zur Beantwortung dieger ersten Fragen Sogleich die 
ganze KlasSe heranzuziehen, wie auch zur Erklärung des deutschen 
Namens, die in vielen Fällen den Übergang zur Beobachtung des bereits 
in den Händen der Schüler befindlichen Exemplars vermitteln wird. Denn 
vom Bekannten auszugehen und daran das Neue anzuknüpfen, bleibt auch 
hier ein Stets zu befolgender Grundsgatz. Das fragend entwickelnde Ver- 
fahren, welches nun der Lehrer anwendet, um zur Ermittelung der Merk- 
male durch die Schüler zu gelangen, hat zunächst d. h. auf der untersten 
Stufe alles Schematische fern zu halten. Die Schüler geben an, was Sie 
von den ihnen längst bekannten Teilen einer Pflanze (Blüten, Blätter, 
Stengel, Wurzel) an der vorliegenden Sehen, weiter, was ihnen an dem 
*) Am besten eine noch unbenutzte Seite des botanischen Zeichenheftes (Vergl. 
weiter unten). 
**) Was der Lehrer namentlich auf den höheren Stufen Sonst noch über Nutzen 
und Schaden, begondere Eigenschaften, Verbreitung und dergl. hinzuzufſügen hat, kommt 
natürlich an den Schluſs der Beschreibung.
	        

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