Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 195 
einen, dann an dem anderen Teile auffällt und 80 weiter, bis nach und 
nach womöglich alle Schüler der Klasse ihr Scherflein zu den Beob- 
achtungsergebnisgen beigetragen haben. Sind die Beobachtungen, die 
der Lehrer nur 80 Weit zu leiten hat, daſs nichts, was ihm Schon auf 
diesger Stufe verwertbar erscheint, übergehen wird, zu einem gewissen 
Abschlusse gediehen, 80 beginnt die Sichtung und Ordnung der Merkmale; 
malſsgebend für diese Sind dem Schüler die ohne Hilfe des Lehrers ihnen 
bereits ins Gedächtnis gerufenen Hauptteile der Pflanze in der Sich un- 
gezwungen ergebenden Reihenfolge: Wurzel, Stengel, Blatt, Blüte; weitere 
Festsetzungen der Aufeinanderfolge innerhalb dieser Gruppen Sind zu- 
nächst noch zu vermeiden. Ist die Pflanze, wie hier vorausgesetzt wird, 
eine in allen Teilen möglichst einfach gestaltete, 80 daſs auch die ge- 
wonnenen Merkmale nicht zu zahlreich Sind, 80 wird nach einigen Vor- 
übungen in der Zusammentagsung der Merkmale einzelner Teile der Ver- 
Such gemacht werden können, das erste Mal durch einen Sprachgewandteren 
Schüler eine zusammenhängende Beschreibung zu gewinnen, wobei 
die Merkmale zunächst noch von der Pflanze abgelegen werden Sollen. 
Diese Aufgabe würde für die erste Stunde und wohl die erste Stufe über- 
haupt eine viel zu Schwierige Sein, wenn der Lehrer eine wisSenschaft- 
liche Beschreibung mit Benutzung aller einschlagenden Kunstausdrücke 
fordern wollte. Von diesen Sind vielmehr nur die allerunentbehrlichsten 
(Kelch, Krone, Staubgefäſse, Stempel) alsbald aus der unmittelbaren An- 
Schanung zu gewinnen und zunächst ohne jede Definition aufzunehmen. 
Nur ganz allmählich schreitet der Unterricht mit der Zunahme der ge- 
wonnenen Anschauungen und vermittelst des Sich aufdrängenden Ver- 
gleichs zur Erweiterung des Gebrauchs von Kunstausdrücken und endlich 
auch zu Erklärungen dergelben und verzichtet vorher lieber auf Voll- 
Ständigkeit der Beschreibungen, wo die Sprache des gewöhnlichen Lebens 
zur genaueren Angabe der Merkmale nicht ausreicht. 
Kann also zunächst von einer botanischen Beschreibung eigentlich 
noch nicht die Rede Sein, 80 kann der Verguch, in zugammenhängenden 
Worten und in einer gewissgen Ordnung Sich über die von ihm gemachten 
Beobachtungen auszusprechen und davon Rechenschaft zu geben, doch 
auch dem ersten Anfänger nicht erspart werden. Denn die Beschreibung 
ist nicht nur als Rechenschaftsbericht unentbehrlich, indem Sie beweist, 
daſs der Schüler dem Unterricht in allen Stadien gefolgt ist, Sondern 
Sie ist auch für die Schulung des Schülers im naturwisSenschaftlichen 
Denken wegentlich. Sie zwingt ihn, Sich zu vergewisSern, ob er Seine 
Beobachtungen im Gedächtnis behalten, nichts Wesentliches daran ver- 
gesgen hat; gie nötigt ihn das Unwesentliche auszusondern, zeigt ihm,
	        

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