Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 127 
des beschriebenen Objektes an der Tafel entstehen läſst und alle 
Schwierigen Beobachtungen durch besondere Zeichnungen erleichtert und 
fixiert; die Schüler aber nötigt er, indem er Sie zum Nachzeichnen an- 
hält, ihre Zeichnung (und zugleich auch die Seinige) mit dem Objekt 
fortwährend zu vergleichen und danach zu berichtigen. Eine Vorübung 
und Vorbereitung des Zeichnens aber iSt das Zerlegen und Ausbreiten 
der Teile auf der weiſlsen Papierunterlage, welche am besten vom 
botanischen (bezw. zoologiSchen) Zeichenheft gebildet wird. Dieges ge- 
ordnete Ausbreiten der zuSammengehörigen Teile (analySieren) ist auch 
für den Lehrer notwendig , um auf die Schnellste Weise zu Kontrollieren, 
ob der Schüler mitgearbeitet und den bezüglich der Beobachtungen er- 
haltenen Winken Folge geleistet bat. Für die Zerlegung namentlich 
der Blütenteile wird auch auf der ersten Stufe Schon eine Stärkere, aber 
Spitze Nadel nicht zu entbehren Sein, die der Schüler am besten auf der 
Innengeite Seines Zeichenheftes (am Rücken) befestigt.*) Es bildet aber 
das Zeichnen, wie Schon aus dem Obigen erSichtlich, eine 80 wesent- 
liche Vorstufe und Vorschule des Beschreibens, daſs Seine natürliche 
und notwendige Stellung die zwiSchen Beobachtung und Beschreibung 
iSt. Danach ergiebt Sich für den Gang des Unterrichts diese Reihen- 
folge: Beobachten und Analygieren, Zeichnen, Beschreiben. 
Nur zu bald macht Sich Schon bei dem, dem Beobachten gewidmeten 
Teile des Unterrichts die verSchiedene Sinnliche Veranlagung der Schüler 
bemerkbar; einzelne Schüler Sehen Dinge nicht, die alle andern Sofort 
erkennen. Der individualiSierende Unterricht, der dadurch geboten ist, 
iSt auſserordentlich zeitraubend und hat darin Seine Schranken. Hier 
tritt ergänzend die Hilfe der begabteren Mitschüler ein, die in Anspruch 
zu nehmen der Lehrer nicht zögern darf, vorausgegetzt, daſs er die 
Klasse disciplinarisch beherrScht. Denn es handelt Sich nicht nur darum, 
richt ist auf allen Stufen mit dem Zeichnen der Objekte durch den Lehrer 
und durch die Schüler unzertrennlich zu verbinden. Es giebt hier, wie in der 
Technik, kein anderes Kriterium dafür, daſs man die gewonnenen Angschaunungen be- 
herrgcht, als daſs man den Gegenstand dergelben nach allen Seiten graphisch darstellen 
kann. Die Vernachlässigung des Zeichnens auf der Mehrzabl ungerer höheren Lehr- 
anstalten, die dem Schüler ja keine Zeit dafür lassen, empfindet kein wisgengchaftlicher 
Unterricht mehr als die Naturbeschreibung. Wie die Verhältnisse aber nun einmal 
liegen, kann man dem Lehrer keinen anderen Rat geben, als den alten bewährten : 
hilf dir gelber, 80 bilft dir Gott. 
*) Das Zeichnen von Diagrammen fordert Zirkel und Lineal, die sonst erst in 
IV zur Anwendung kommen. Schon degshalb würde ich es dem Sextaner erlassen, 
wie auch die Aufstellung von Blütenformeln ; diese Sind überhaupt für die Schule ent- 
behrlich, auch für die mittleren Klasgen noch zu abstrakt, wo wenigstens die Anwen- 
dung symbolischer Zeichen den Schülern aus der Mathematik geläufig wird.
	        

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