Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

128 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat, 
den Schwächeren eine Hilfe angedeihen zu lasSen, zu der der Lehrer, 
zumal in vollen Klassgen unzulänglich ist, Sondern es wird dadurch auch 
ein wichtiges erziehliches Moment ausgelöst. Die Aufforderung, bei dem 
Mitschüler die Stelle des Lehrers zu vertreten, iSt ein Sporn für beide, ein 
Stachel inSbegondere für den Schwächeren, dessen Ehrgefühl Sich dagegen 
Sträuben muſs, einer Solchen Hilfe öfter zu bedürfen. 
Einteilung der Unterrichtszeit. Eine Sehr wichtige Angelegen- 
heit ist die richtige Kinteilung der Unterrichtsstunde. Ein gewöhnlicher 
Fehler ist der, daſs die Repetition des in der letzten Stunde Durchgenomme- 
nen zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Es iSt das für einen denkenden Lehrer 
immer ein Beweis, daſs zu viel des Neuen geboten, oder das Gebotene 
nicht gehörig durchgearbeitet und geistiges Eigentum des Schülers ge- 
worden ist, oder auch beides zugleich. Dieger Mahnung, Seine Methode 
zu vervollkommnen bezw. das Stundenpensgum zu kürzen, muſs der Lehrer 
unter allen Umständen Folge leisten; thut er es nicht, 80 Steigert Sich 
der Fehler, und der Schüler wird dadurch verführt, Sein WiSSen aus 
dem Lehrbuch zu Schöpfen, Statt es im lebendigen Unterricht Selbst- 
thätig zu verarbeiten.*) Daſs die Repetition bei aller Gründlichkeit doch 
nur kurze Zeit, höchstens "/4 der Stunde, in AnsSpruch nimmt, darauf 
muſs der Lehrer entschileden hinarbeiten und daran festhalten. Dann 
bleiben ?*/4 der Stunde für das Beobachten, Zeichnen und Begchreiben 
des neuen Gegenstandes übrig; aber wegentlich ist, daſs auch von dieser 
Zeit noch einige Minuten erübrigt werden, um die häugliche Repetition 
vorzubereiten und zu erleichtern, und auch mancherlei Winke und Kurze 
Anleitungen zu geben, die Sich auf die freiwillige Beschäftigung mit den 
Naturobjekten, das Sammeln von Pflanzen, die Art ihrer Konservierung etc. 
beziehen. Gar nicht überflüSsig auch ist, falls ein Lehrbuch mit guten 
Abbildungen in den Händen der Schüler ist, eine Anleitung, die be- 
treffenden Bilder bei der Repetition richtig zu benutzen und überhaupt 
*) In den entgegengesetzten Fehler aber Scheinen mir diejenigen zu verfallen, 
die der gründlichen Durcharbeitung wegen auf die Beschreibung einer Pflanze zwei 
Stunden verwenden, mit der Repetition also dengelben Gegenstand bis in die dritte 
Stunde behandeln. Das heiſst die Gründlichkeit doch wohl auf Kogsten des Interesges 
pflegen, das Selbst bei älteren Schülern nur ausnahmsweise 80 genährt werden kann, 
daſs es für diegelbe Pflanze mehrere Stunden hindurch vorhält, Hier fällt gerade der 
eifrige Lehrer leicht in Selbsttäuschung und wird auſsgerdem durch das Streben nach 
Gründlichkeit in Verguchung gegetzt, Schon den Sextanern Dinge zuzumuten, die ihnen 
besser noch vorbehalten werden, wenn gie Sich auch allenfalls Schon zum Verständnis 
bringen lassen. Hier heiſst es, wie 80 oft in der Pädagogik : Weniger ist mehr. Was 
der Sextaner von geiner Pflanze nicht in einer Stunde bewältigen kann, Schenkt man 
ihm besser. Um Vollständigkeit kann es Sich hier ja ohnehin nicht handeln,
	        

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