Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

130 Ziel und Methode des naturbeschräibenden Unterrticlits, Referät. 
Vorstellungen verarbeiten zu lasSen, mit einem Worte zu vergleichen. Dies 
berücksichtigen mehr oder weniger auch alle neueren Methodiker (Baenitz, 
Vogel und Gen., Bail u. a.); aber Sie beschränken das Vergleichen auf 
der untersten Stufe, Soweit Sich das aus den Leitfäden ergeben läſst, 
auf die einzelnen Teile und wollen damit nichts weiter erreichen als 
festere Kinprägung einer Reihe botanischer Anschauungen und eine 
gewisse übersichtliche Kenntnis der morphologischen Grundbegriffe, von 
denen bei Vogel Schon auf der ersten Stufe Definitionen gegeben werden. 
Dies Ziel erscheint mir 80wohl zu Schwer, als auch zu eingeitig; zu 
Schwer, weil hinausgehend über den Standpunkt des bloſsen Anschauungs- 
unterrichtes, der für die VI der allein richtige ist und die Begriffsbildung 
wohl anbahnen, aber nicht ausführen Soll, zü eingeitig aber, weil es dem 
Schüler eine geistige Bethätigung vorenthält, die er leicht und gern übt, 
weil er längst darin geübt ist. Man meint, es Sei für den Sextaner zu 
Schwer, ganze Pflanzen mit einander zu vergleichen und hat ganz recht, 
wenn es zu dem Zwecke geschehen Sollte, einergeits die Artunterschiede, 
anderergeits die Gattungsmerkmale zu abstrableren. Aber darum Soll es 
Sich und braucht es Sich in VI auch gar nicht zu bandeln, Sondern nur 
um ein neues und anuſserordentlich fruchtbares Anschauungsregultat, eine 
aus dem Vergleiche zweier Pflanzen Sich ganz ungegSucht bietende Vor- 
Stellung von natürlicher Verwandtschaft. Der denkende Schüler wird 
allenfalls von Selber darauf kommen, daſs Alles in Allem z. B. KaiSer- 
krone, Tulpe, Wweiſse Lilie und Türkenbund in vielen Stücken ähnlich Sind, 
und auch der langsame Kopf wird es finden, wenn er zu einem Vergleich 
veranlaſst wird. Was Soll den Lehrer abhalten, wenn er eine zweite, 
Später vielleicht eine dritte dieser Pflanzen, die gerade für den Anfangs- 
unterricht besonders geeignet Sind, hat beschreiben lasSen, die Aufmerk- 
Samkeit der Schüler auf diesen Punkt zu lenken; was ihn abhalten, 80- 
bald die Ahnlichkeit gefunden und festgestellt ist, an die Ahnlichkeit zu 
erinnern, die unter GeschwisStern und oft noch unter Geschwisterkindern 
herrsScht, und die man als Familienähnlichkeit bezeichnet und aus der 
Verwandtschaft erklärt? Ob er Sich damit begnügt, an einem, Später 
vielleicht noch an einem zweiten Beispiele*) den Schülern zu der An- 
Schanung verholfen zu haben, daſs es auch unter den Pflanzen Verwandte 
giebt, wie unter den MensSchen, oder noch einen kleinen Schritt weiter 
| *) Beispiele, die natürlich verschiedenen Gattungen angehören müggen, bieten 
Sich ungesucht: Spanischer Flieder und Liguster, Ackermohn und Schöllkraut, Gold- 
regen, Robinie und Hornklee ete. Schon der teilweigen Wiederauffrischung der früher 
gewonnenen Änschaunungen wegen empfiehlt es Sich später, verwandte Pflanzen auch in 
VI Schon heranzuzichen.
	        

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