Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

132 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat, 
Zeichnungen an der Tafel veranschaulichen können. Nur 80 weit diese 
Forderungen reichen, hat er auch die botanischen Kunstausdrücke (unter 
Beigeitlasgung aller Fremdwörter) zu beherrschen. Über das Lernen der 
lateiniSchen Namen gind die Angichten geteilt. Dem Sextaner würde Sie 
Ref. aus naheliegenden Gründen erlassen. 
Damit ist ein ausreichender Grund gelegt für die Lösung der Auf- 
gaben, die der zweiten Stufe des botanischen Unterrichts zufallen, und 
die wegentlich nur eine organische Fortgetzung des Pensums der VI Sind. 
Die Pflanzenkenntnis iSt zu erweitern, die Auswahl dabei 80 zu treffen, 
daſs 1. die Kenntnis der botanischen Formenlehre weiter ausgebaut wird, 
und zwar nach der Seite des ober- und unterirdischen Stengels und ins- 
begondere auch in Bezug auf Blüte und Frucht, und daſs 2. die ersten 
SyStematischen Begriffe gewonnen werden, anfangend mit dem leichtesten. 
Dies ist aber nicht der Art-, geschweige der Gattungsbegriff, *) natürlich 
nicht weil, Sondern trotzdem er mehr Merkmale umfaſst als jene. Denn 
für das Verständnis kommt es nicht auf die Zahl, Sondern die Art der 
Merkmale an. Nun gind aber, um von den oft 80 Schwierigen und minu- 
tiögen (botan.) Gattungsmerkmalen nicht erst zu reden, auch die Art- 
merkmale, d.h. doch die diese Art von anderen dergelben Gattung unter- 
Scheidenden Merkmale, meist weniger leicht aufzufassen als die Familien- 
merkmale, die bei allen wahrhaft natürlichen Familien 80 in die Augen 
Springen, daſs auch jeder der Botanik ganz Unkundige Sie wahrnimmt. 
Wie kann also für den Pädagogen, der überall vom Leichteren zum 
Schwereren, vom Anschaulichen zum Verborgenen fortschreiten Soll und 
muſs, wenn er der natürlichen geistigen Entwicklung Seines Zöglings 
nicht Zwang anthun will, ein Zweifel Sein, daſs der Anfang aller bota- 
viSchen Systematik mit der Familie zu machen ist. Schon in VI hat der 
*) Wie darüber noch immer ein Zweifel Sein kann, ist mir unerfindlich; aber es 
igt wohl auch kein Zweifel darüber, Sondern ein logisches Vorurteil, das mit dem Art- 
und Gattungsbegriff anzufangen heiſst. Zu meinem grofsen Bedauern huldigt auch 
Prof. Kögstler noch diegem Vorurteil, das überall eng mit der frühzeitigen Einführung 
in das Linnesgche System und geinen unvermeidlichen Gattungen und Arten zusammen- 
hängt. Meinen Standpunkt teilen die Referenten von Ohlau, Königshütte, Tarno- 
witz, Kreuzburg. -- Viele Scheinenan die Möglichkeit mit der Familie zu beginnen, 
noch gar nicht ernstlich gedacht zu haben und halten das Anfangen mit dem Art- 
begriff für gelbstverständlich, wobei wohl eine Verwechselung der Artbeschreibung 
mit dem Artbegriff vorliegt. Die erstere enthält natürlich auch die Familienmerkmale; 
ja diese machen von den ersten Pflanzenbeschreibungen den gröſsten Teil aus, weil 
Sie Dicht die leichtesten und hinfälligsten Sind. Und 80 ist man gich dessen gar nicht 
bewuſst, daſs man von vornherein mit den Familienmerkmalen arbeitet, Ja Vvor- 
zugsweise mit diegen, und daſs der Familienbegriff durch die Anschauung längst vor- 
bereitet ist.
	        

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