Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 137 
Das Bestimmen der Pflanzen. Nach dem Vorigen könnte es 
Scheinen, als ob Ref. ein grundsätzlicher Gegner aller BeStimmungsübungen 
Sei; das iSt indes durchaus nicht der Fall und würde auch im Wider- 
Spruch Stehen zu der im 8. Abschnitt bereits yon ihm anerkannten Not- 
'wendigkeit, den induktiven Unterricht durch den deduktiven zu ergänzen. 
Dafür aber bietet gerade der botaniSche Unterricht ein wertvolles Mittel 
im Bestimmen der Pflanzen. Ref. verwirft das Bestimmen nach dem 
Linneschen SyStem, weil nur Seinetwegen das LinneSche SyStem Schon 
auf einer Stufe dem Schüler gegeben wird, wo es Störend ist und die 
Entwickelung des natürlichen SysStems hindert, aber auch desShalb, weil 
es eine eingeitige Richtung befördert und die Gefahr herbeiführt, den 
botanischen Unterricht ganz in den Dienst des Pflanzenbestimmens zu 
Stellen. Das Bestimmen nach dem natürlichen SyStem aber verbietet 
Sich nach des Ref. Angicht Scheinbar von Selbst, da ja dies System, - 
Soweit es überhaupt Sich erarbeiten läſst, erst am Schlusse des botanischen 
Unterrichts zur Verfügung Steht. Wie Soll man nun das Bestimmen 
üben, das „durch die Anforderungen, die es an die Urteilsfähigkeit der 
Schüler Stellt, ein vorzügliches Bildungsmittel" ist, Sehr nützlich auch 
zur festen Einprägung des SysStems (Soweit dies Schon bekannt), auch 
der Morphologie und der Kunstausdrücke, wenn ein Lehrbuch benutzt 
werden kann? Wir antworten: zunächst nur im engsten Anschlusse an 
die gewonnenen Kenntnisse und zur Befestigung dergelben; in diesSer 
Form aber 80 früh wie möglich. Die Vorübungen ergeben Sich fast von 
Selbst. Hat der Quintaner auch nur einen Kreuzblütler beschrieben, 
Sich das Bild desgelben, inSbeSondere der Blüte, aber fest eingeprägt, 80 
werden, noch auf welche Weise es geschehen goll. Auch ist das Linnesche S8. (wenigstens 
im gymnagialen Lehrplan) erst hinter dem natürlichen genannt. Danach dürfte ich 
der Beweis, daſs Ref. Sich mit geinen Angichten im Widerspruch mit den Bestimmungen 
befindet, was ja im übrigen auch kein Verbrechen wäre, kaum erbringen lassen. Der 
Umstand, daſs das Linnegche S. neben dem natürlichen genannt ist, aus dem man Ja 
auf eine Gleichstellung zu gechlieſgen berechtigt ist, erklärt gich wohl einfach daraus, 
dafs dabei nicht das Urteil der unbefangenen Botaniker, die, wie Ref., alle dem Linne- 
Schen S. wegentlich nur noch ein gegehichtliches Interesse einräumen, maſsgebend war, 
Sondern das der botanischen Methodiker , die wie Baenitz, Vogel u. a. botanischen 
Unterricht ohne das Linnegsche S, angcheinend nicht glauben erteilen zu können, An- 
dere wiederum meinen vielleicht geit Einführung des neuen Lehrplanes, dergelbe Vver- 
biete, das Linnesche S. aus geiner dominierenden Stellung zu entfernen. Und 80 ist 
ein eirceulus vitiogus entstanden, aus dem 80 leicht kein Ausweg zu finden ist, es sei 
denn durch eine Interpretation des Pasgus „Kenntnis des Linneschen System"; diese 
aber wird sSchwerlich 80 bald erfolgen , weil man Sicher der Angicht ist, daſs Solche 
Fragen gich erst klären müsgen. Dazu aber wüngcht Ref. durch geine obigen Aus- 
einandergetzungen beizutragen. Seinen Standpunkt teilen die Schon oben genannten 
Anstalten, am bestimmtesten spricht ibn Kreuzburg aus.
	        

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