Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbesgehreibenden Unterrichts. Referat. 1 41 
Familien (z. B. Amygdalaceen, Pomaceen, RoSaceen) zusammenzustellen 
und als Beispiel einer natürlichen Pflanzenordnung zu bezeichnen. 
Die Morphologie und Biologie. Die Forderung, die botanische 
Formenlehre auf wisSensgchaftlicher Grundlage abzuleiten, iSt an Sgich 
gewiſs berechtigt; aber indem man Sich mehrfach zu eng an die wisgSen- 
Schaftliche Darstellung und ihre Kunstausdrücke anschloſs (vergl. nament- 
lich Vogel u. Gen., Löwe u. a.), hat Sich Schon in die Leitfäden für die 
unteren KlassSen ein zu gelehrter Ton und eine zu abstrakte DarsStellungs- 
weise eingeschlichen. Dies gilt namentlich von den Blütenständen, bei 
denen man dem Quintaner von AchgensyStemen, von Wertigkeit der 
Achsen, gleichwertigen und ungleichwertigen, gestreckten und verkürzten 
Achgen 1. 8. W. Spricht und eine höchst verwickelte Einteilung der 
Blütenstände darauf baut, 80 daſs dem DurchschnittsSchüler die Haare 
zu Berge Steigen müsgen. Auch hier heiſst es also maſshalten. 
Auf allen Stufen ist auf Zusammenstellung, Ordnung und Klärung 
der morphologiSchen KenntnisSe besonderer Wert zu legen. Das Semester 
darf nicht vorübergehen, ohne daſs diese Arbeit, auch die früheren Stufen 
einschlieſsend, gethan und für Lehrer und Schüler die Überzeugung ge- 
wonnen ist, daſs die wichtigsten und Wwegentlichsten der gewonnenen 
morphologischen Anschauungen und Begriffe auch nach der halbjährigen 
Unterbrechung, die der botanische Unterricht regelmäſsig erleidet, dem 
Schüler nicht abhanden kommen Wwerden.*) Aber man wird allerdings 
mit diesgen morphologiSchen Repetitlonen nicht bis zum Schlusse des 
Semesgters warten dürfen. Anlaſs dazu bietet jede botanische Stunde, für 
die in Folge Schlechten Wetters oder aus anderen Gründen Kein 
friSches Material zur Pflanzenbegchreibung bat begsorgt werden können. 
In Solchen Stunden, die Sich gelegentlich wiederholen, wird einergeits die. 
Morphologie repetiert und zwar Wwesgentlich auch durch Zeichnungen, die 
der Schüler an der Tafel zu entwerfen hat; anderergeits wird der Unter- 
richt an friSchen Pflanzen ergänzt durch die Betrachtung von Solchen 
Kulturgewächgen, die Sich nur in Abbildungen zur Anschauung bringen 
läsgen, desgleichen von besonders interesSanten ausländischen Gewächsen. 
Diese im Zusammenhange und ohne Rückgicht auf ihre verwandtschaft- 
liche Stellung den Schülern zu bieten, Scheint nicht empfehlenswert. 
Sie Sind besser da einzuschalten, wo Sie im SysStem hingehören oder 
vielmehr im Anhange an ihre nächsten Verwandten zu betrachten. Daſs 
dabei auch die Verwendung zu berückSgichtigen und durch Demonstration 
*) Von dem Vorgchlage, dies: durch botanische Repetitionen im Winter-S, zu 
verhindern, dürften besondere Erfolge nur dann zu erwarten gein, wenn ein Lehrbuch 
mit guten Abbildungen in der Hand des Schülers ist,.
	        

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