Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

142 Ziel und Methode des naturbesgechreibenden Unterrichts. Referat. 
der betreffenden Teile oder Produkte zu veranschaulichen Iist, Sollte kaum 
der Erwähnung bedürfen. In diesen Stunden, deren Verwendung manchem 
Lehrer Schwierigkeiten zu bereiten Scheint,*) iSt auch immer aufs neue 
wieder die Kenntnis der einheimischen Bäume und Sträucher, über deren 
Unkenntnis mit Recht 80 vielfach Klage erhoben wird, aufzufrischen 
bezw. zu gewinnen. S0 Schlecht wird im Sommer das Wetter Selten Sein, 
daſs Sich nicht wenigstens einige Zweige von Bäumen und Sträuchern 
begorgen lieſsen; in vielen Fällen werden die Schulanlagen das Material 
liefern. Schon in VI können die Blattformen dergelben betrachtet, ge- 
zeichnet und Zweige gepreſst werden. Krreicht aber wird die Kenntnis 
für die Dauer doch nur, wenn Sie auf jeder Stufe wieder aufgefrisScht 
und bei allen Schülerausflügen VeranlasSung gegeben wird, Sich die aus 
den Zweigen bekannten Bäume auch in der Natur zu betrachten und 
Ihre Tracht einzuprägen. Dasselbe gilt auch von den Ackerfrüchten, 
deren Sichere Kenntnis nicht vermittelt zu haben, immer ein Vorwurf 
für die Schule bleibt, wenn auch diese Aufgaben recht Schwer, Keines- 
wegs 80 leicht Sind, als Laien im naturbeschreibenden Unterricht glauben 
mögen. 
Der morphologische Unterricht kann Sich aber nicht auf die Ein- 
prägung der Formen und der zu ihrer Unterscheidung dienenden Knnst- 
ausdrücke beschränken, Sondern muſs mit jeder weiteren Stufe mehr den 
Fragen nach dem urgächlichen Zusammenhange der Form und der Lebens- 
verrichtung des betreffenden Organs näher treten. Und Solche Fragen 
können Vereinzelt Schon in VI angeregt werden; der Schüler kann hier 
recht wohl Schon zum Nachdenken darüber veranlasst werden, wozu wohl 
die Wurzel dienen mag, in V dazu, warum die Blüten meist bunt gefärbt 
Sind, warum die unscheinbaren Blüten meist zahlreiche Staubgefässe, 
die Veilchen ein Sogenanntes Saftmal, die Früchtchen des Löwenzahnes 
eine Haarkrone haben u. 8. w. Es trägt das nicht nur zur Belebung des 
Unterrichts erheblich bei, Sondern eröffnet dem Schüler auch einen ganz 
neuen Blick aus der Welt der Formen, mit der er Sich zunächst beschäftigt, 
in das Leben der Pflanze hinein und läſst ihn den urgSächlichen Zugammen- 
hang zwiSchen beiden und weiter auch zwiSchen Pflanzen- und Tierreich 
(Befruchtung durch Ingekten) Wwenigstens ahnen. Dazu genügt aber, daſs 
der Lehrer Solche Fragen anregt, wo die Beschreibung der Form dazu 
*) Kine Farbentafel im gröfseren Maſsstabe bietet für golche Stunden eben- 
falls ein geeignetes Unterrichtsmittel. Wie wenig die Schüler trotz der vielen Ge- 
legenheit, die der naturbegebreibende Unterricht bietet, die Farben untergschbeiden 
können, ist jedem Naturgeschichtslehrer bekannt. Das liegt aber daran, daſs gie niemals 
Zzusgammengestellt werden.
	        

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