Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel uind Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 143 
Anlaſs bietet; von einer SyStematischen Betrachtung Solcher biologischen 
Vorgänge kann nicht die Rede Sein, wohl aber von einer gelegentlichen 
Zusgammenfasgung und Ordnung der biologiSchen Ergebnisse des Un- 
terrichts. | 
Die Anatomie und Phygiologie der Pflanzen als wisSenschaft- 
licher Lehrgegenstand geht über die der Naturbeschreibung auch an den 
Reallehranstalten gesteckten Grenzen hinaus; die letztere insbesondere 
Setzt Kenntnisse in PhysSik und Chemie, die auch der Unter-Sekundaner 
noch nicht begitzt, die erstere die Benutzung des Mikroskops Voraus.*) 
Die Schwierigkeiten, dies in den Dienst der Schule zu stellen, Sind groſs, 
aber, wie auch mehrere Referate betonen, nicht unüberwindlich. Nun ist 
aber Schon die bloſse Thatgache, daſs die Pflanzen (viel Schwieriger iSt 
die Sache bei den Tieren) aus Zellen zuSammengegetzt Sind, wenn der 
Schüler gie durch eigene Beobachtung gewonnen, von hohem Interesse 
für ihn. Die weitere Thatgache, daſs verschiedene Organe eine Verschie- 
dene elementare ZuSammengetzung haben, und der verschiedene Inhalt 
der Zellen, von dem wenigstens die Stärke ihm zur Anschauung gebracht 
werden kann, eröffnen ihm wenigstens einen Blick in die Werkstätten 
des pflanzlichen Lebens, wenn auch daſs, was da geschieht, ihm noch 
verborgen bleibt. Vorausgegetzt also, daſs der Lehrer auf diesem Gebiete 
nicht weiter geht, als die Vorkenntnisse und das Verständnis der Schüler 
reichen, ist nicht einzugehen, weShalb nicht auch am Gymnasium, ge- 
Schweige denn an den Reallehranstalten, denen die UI dafür zur Ver- 
fügung Steht, und denen ja auch die Bestimmungen ausdrücklich zur Pflicht 
machen, die wichtigsten Erscheinungen aus dem Leben der 
Pflanze zum Verständnis zu bringen, weShalb, 8age ich, den Schülern 
auch nicht das elementarste WisSSen aus der Pflanzenanatomie geboten 
werden Soll. Die wichtigsten phySiologischen Erscheinungen müssen dem 
physikalischen und chemischen Unterrichte vorbehalten werden, der die 
Schüler darüber belehren Soll, was Diosmose und Diffusion, Was Sauner- 
Stoff, Kohlengäure etc. bedeuten und (hoffentlich!) auch nicht ermangeln 
wird, die Nutzanwendung auf das Pflanzen- und Tierleben zu machen.**) 
*) Daſs die Lehrerkollegien vieler Gymnagien die Anwendung des Mikroskops 
in der Schule verwerfen, finde ich erklärlich; daſs manche Fachlehrer aber Selbst gegen 
die Anwendung einer Lupe gind, weil gie die Kurzgsichtigkeit befördere, heiſst doch 
die Ängstlichkeit übertreiben. Die Lupe ist für einen gründlichen botanischen Unter- 
richt, Spätestens von IV ab, gar nicht zu entbehren. 
38) Ich fürchte, daſs das doch nur ausnahmsweise geschehen wird, weil 
ungere Lehrer der Phygik nur gelten, wie Prof. Köstler und der Ref. von Walden- 
burg, für den organischen Lebensprozeſls Interesse genug haben, um gich der oben 
angedeuteten, z. T. recht Schwierigen Aufgabe zu unterziehen.
	        

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