Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

1 46 Ziel und Methode des nafturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 
Herbars den Schülern mindestens zu empfehlen und gie durch das 
Interegse, das er demgelben widmet, zur Fortsetzung aufzumuntern. Eine 
andere Frage ist, ob man das Herbar obligatorisch machen Soll. Der 
Grund, daſs es den Schüler vom Arbeiten abhält, dürfte, zumal das Bo- 
taniSieren entschieden Gegundheit fördernd ist und als Gegengewicht 
gegen zu vieles Sitzen wirkt, kaum ins Gewicht fallen. Aber das läſst 
Sich allerdings nicht leugnen, daſs der Nutzen, den es gewährt, doch 
kein allgemeiner ist und anch durch Zwang nicht im besseren Sinne ver- 
allgemeinert werden kann. Nur in kleinen Orten, wo fast jeder Schüler 
Selbst botanigieren kann, mag man die Anlegung eines Herbars jedem 
Schülers zur Pflicht machen, dann aber eine gewisgenhafte Kontrole 
augüben und Sich die Mühe nicht verdrieſsen lasSen, Anleitung zu geben 
und den Schülern die Pflanzen zu bestimmen, die Sie über das Klassen- 
material hinaus gesammelt. 
Einen nur untergeordneten Wert für den botanischen Unterricht hat 
das Schulherbar; es kann dazu dienen, bei einer Pflanzenbeschreibung 
die noch nicht zur Reife gelangten Früchte zur Anschauung zu bringen, 
auch als Muster für die Schüler bei Anlegung ihres eigenen Herbars, 
nur Selten auch zu gelegentlichem WiederauffriSchen der Blattformen 
oder der Tracht einer Pflanze. 
Unentbehrlich aber Sind die Abbildungen teils von Kultur-, teils 
von anderen ausländischen Gewächsen*), Landschaftsbilder**), Dar- 
Stellungen mikroskopischer Teile und dergl.; noch instruktiver für die 
Veranschaulichung kleinerer Organe***), namentlich aber der Blütenver- 
hältnisse, Sind gute Modelle, wie wir Sie von Brendel in Berlin, Jauch 
in Breglan 1. a. haben. Die botanischen Sammlungen umfassen Früchte, 
Samen, Stammstücke, Fagerstoffe, Farben und andere technisch oder medi- 
zinisch wichtige Stoffe, wie gie jetzt ja im Handel zu haben gind und 
Selbst in der Geographie Schon Verwendung finden. 
b. Die Methode des zoologischen Unterrichts. 
Es ist bereits bemerkt worden, daſs der zoologische Unterricht zwar 
nach dengelben metbodischen Grundgätzen zu erteilen ist, wie der bota- 
niSche, daſs er Sich aber in der Unterrichtspraxis doch erheblich anders 
gestaltet und gestalten muſs. Seine Sogenannten formalen Bildungsziele 
*) Nees von Esenbeck, Medizinal-Pflanzen, 3 Bde.; Zippel und Bollman, Aus- 
ländigsche Kulturpflanzen; Hartinger, Eſsbare Pilze; Endler und Scholz, Naturfreund. 
x) Kittlitz, Vegetationsangichten, u. a. einige Bilder aus Hölzel's Geogr. Cha- 
rakterbildern. 
3%) Kny, Botanische Wandtafeln zum kleinen Teil.
	        

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