Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 1 47 
kann der naturbeschreibende Unterricht am besten und vollständigsten 
durch die Pflanzenkunde erreichen, 80 daſs, wer jenem Unterrichte nur 
formale Ziele Stecken will, ihn ruhig auf die Botanik beschränken könnte. 
Nicht als ob die Tiere an Sich weniger geeignet wären, die Beobachtungs- 
fähigkeit des Knaben zu entwickeln und Anregung zum induktiven Denken 
zu geben, im Gegenteil, das lebende Tier reizt dazu in weit Stärkerem 
Grade an als die passSive Pflanze. Aber dem Unterrichte Steht nur diese 
zur Verfügung; wir können dem Schüler gestatten, Sie zur Erreichung 
des Unterrichtszweckes zu zerpflücken und zu zergliedern; ja wir müssen 
das letztere für bestimmte Zwecke Sogar fordern. Nur etwa den Ingekten 
gegenüber befindet Sich der zoologische Unterricht in einer wenigstens 
annäbernd ähnlich günstigen Lage. Kein Lehrer der Zoologie wird 
daher ermangeln, wenigstens einige Ingekten den Schülern 80 yorzu- 
führen, wie Sie das in der Pflanzenkunde gewohnt gind, d. hb. jedem 
Schüler ein (natürlich totes) Exemplar in die Hand geben und ihn in 
Streng induktiver Form die Merkmale dieger Klasse und der betreffenden 
Ordnung, 80 wie auch einige Familien- und Artmerkmale durch Beob- 
achtung gewinnen lassen. Gestaltet Sich hier auch die Unterrichtspraxis 
wegentlich 80 wie in der Botanik, 80 ist Sie dafür in den meisten anderen 
Fällen abweichend, oder richtiger, was im botanischen Unterricht Aus- 
nahme und Notbehelf ist, die fragend - demonstrierende Methode, ist im 
ZoologiSchen Regel. Das zoologische Unterrichtsobjekt muſs fast immer 
demonstriert werden, und bei der nicht geringen Schwierigkeit, es dabei 
in allen Teilen und für alle Schüler Sichtbar und erkennbar zu machen, 
liegt die VerSuchung nahe, und der Lehrer erliegt ihr nur zu oft, Statt 
fragend, vortragend zu demonstrieren, und damit das Wegen der induk- 
tiven Methode, welche in dem Selbstbeobachten des Schülers wurzelt, 
preiszugeben. Dies wird auf den höheren Stufen, auf denen es Sich ja 
auch im botanischen Unterricht immer weniger vermeiden läſst, und wo 
auch die formalen Bildungsziele des gesamten naturbeschreibenden Un- 
terrichts wenigstens teilweise erreicht. Sein werden, Weniger ins Gewicht 
fallen, als auf den unteren Stufen. Hier muſs Sich der Lehrer durchaus 
zur Pflicht machen, nur das vorzutragen, was der Schüler durch Beob- 
achten des Demonsgtrationgobjektes Selbst gewinnen kann oder durch 
anderweitige Beobachtungen, die er am lebenden Tiere gemacht, Schon 
gewonnen hat und befragt, an Stelle des Lehrers vortragen kann. 
Fast kein Zzoologisches DemonstrationSobjekt ist 80 groſs, daſs es 
genügt, es etwa vom Katheder oder der Vvordersten Bank aus der Klasse 
zu zeigen und gie alles daran beobachten zu lasSen, was Sie Sehen Sollen. 
Fast immer muſs der Lehrer es den einzelnen, mindestens den ferner 
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