Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

150 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 
richtig aufzufasSen. Dies aber kürzt das für den Lehrer Sehr ermüdende 
und namentlich in grofsen Klassen zeitraubende Verfahren der Teil- 
demonsgtrationen erheblich ab, 80 daſs dem Lehrer, der mit der Be- 
Schreibung eines Tieres in einer Stunde fertig werden will, doch noch 
hinreichende Zeit bleibt, um nun die Zeichnungen kurz zu revidieren, 
die gegamten Merkmale des Tieres in bestimmter Reihenfolge wieder- 
holen zu lasSen und die Begchreibung durch Mittellungen über Ver- 
breitung, Aufenthalt, Wohnung, Nahrung, Lebensweise etc. des Tieres zu 
ergänzen. Manches davon wird Schon bei der Beschreibung der Organe 
zur Sprache gekommen Sein, 80 z. B. Nahrung und Lebensweise bei der 
Zahnbildung und der Bildung der Gliedmaſsen. 
Die Begschreibung der Tiere bietet ingofern weniger Schwierigkeiten 
als die der Pflanzen, als die Ausdrücke bei allen höheren Tieren, mit 
denen der Unterricht gelbstverständlich zu beginnen bat, vom mensch- 
lichen Körper entlehnt und bekannt Sind. Auch für die Anordnung der 
Merkmale ist dieser maſsgebend. Daraus aber, daſs man Stillschweigend 
oder ausdrücklich der Betrachtung des Tieres den menschlichen Körper 
zu Grunde legt, folgt nicht, daſs dieSer, zumal in Seinen inneren Teilen, 
erst beschrieben werden müssSe, ehe die Beschreibung der Tiere zu be- 
ginnen Iist, Die thatSächlich vorhandene und jeden Augenblick zu Kon- 
trolierende Kenntnis des mengchlichen Körpers genügt als Anbalt für 
die Betrachtung zunächst eines Wirbeltieres. Niemand wird einen Affen 
anders beschreiben lasSen, als indem er den Schüler veranlaſ3t, Seine 
Körperbildung mit der des Menschen zu vergleichen. Und daſs der 
Schüler Keinen menschlichen Magen gegSehen, und daſs dergelbe auch noch 
nicht beschrieben worden ist, braucht den Lehrer nicht abzuhalten, von 
dem vierfachen Magen der Wiederkäuer zu handeln; es genügt hier die 
Bemerkung, daſs der mengchliche Magen einfach Sei und einfach Sein 
könne, da an ihn nicht die Anforderung gestellt wird, 80 Schwer- 
verdauliche Sachen, wie Heu und Stroh, Gras und Kräuter, zu vVer- 
arbeiten. 
Überlegen ist der Z00logiSche Unterricht dem botanischen darin, daſs 
der Lehrer bier von vornherein den Zweckbegriff einführen, die Teile 
des tieriSchen Körpers nicht bloſs ibrer Form nach, Sondern auch als 
Wattel zur Erfüllung irgend eines Lebenszwecks betrachten lasSgen kann. 
Schon der Sextaner ist im Stande zu übergehen, daſs die auſserordent- 
liche Länge der Arme und die verhältnismäſsig kurzen Beine mit hand- 
ähnlich gebildeten Füſsen den Affen in hervorragendem Maſse zum 
Klettern befähigen, die Bdung des GebisSes das Raubtier zum Zer- 
reiſgen, das Nagetier zum langsamen Zerfeilen der Nahrung u. 8. Ww.
	        

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