Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 1 55 
wickelt*), weiter nachweist, daſs auch die „Kenntnis einzelner, besonders 
wichtiger Mineralien" phygikaliSche und chemische Vorkenntnisse fordert, 
die der Tertianer nicht begitzt, daſs er daher auch kein Verständnis yon 
den Mineralien erlangen kann, kommt er zu dem Schluſs, daſs „die zwei 
Stunden Mineralogie in der OI unnütz, eine Qual für Lehrer und 
Schüler und deshalb die Mineralogie aus dem Lehrplan der OUI zu 
Streichen ist."**) : 
Referent, der etwa zehn Jahre mineralogischen Unterricht in O- und 
UIII erteilt hat, dann achtzehn Jahre lang in UI, OI und TI, also auf 
allen Stufen, die für die Mineralogie in Betracht kommen und der ins- 
beSondere auch Gelegenheit hatte, im chemischen Unterricht zu Sehen, 
was dann nach einer längeren Unterbrechung von den mineralogischen 
Kenntnisgen des Tertianers noch übrig war, als der Schüler auf einer 
höheren Stufe davon Rechenschaft abzulegen veranlaſst wurde, kann den 
Bericht des Neiſser Referenten noch dahin ergänzen: Was übrig geblieben 
iSt, SInd dürftige Brocken, auf denen Sich kein weiterer Bau aufführen 
läſst. WU der chemische Lehrer die mineralogischen Kenntnisse, die 
der Schüler in 1] gewinnen und Schlieſslich beim Abiturienten-Kxamen 
nachweisSen 801), begründen und nicht in die Luft bauen, 80 muſs er eben 
den Grund aufs neue legen. Ob er in I dazu Zeit hat, ist eine andere Frage. 
Denn nicht wegentlich besser als am Gymnasgien Steht es mit dem 
mineralogischen Unterricht in der UI der Reallehranstalten. Stereometrie, 
Phygsik und Chemie Können hier ebenSowenig vorausgegetzt werden, als 
in ONLI, und die etwas gröſsere geistige Reife des Unter- Sekundaners 
kann jenen fast gänzlichen Mangel an Vorkenntnisgen nicht ausgleichen. 
Auch für die Reallehranstalten (Realgymnasium und Ober-Realschule) 
iSt die OI die niedrigste Stufe, auf der mineralogischer Unterricht mit 
Erfolg gegeben werden kann. Sind auch hier die phygikalischen Kennt- 
nisge inSbeSondere für die Betrachtung der optiSchen Verhältnisse der 
Mineralien nicht ausreichend, noch weniger die chemisSchen, Seit der 
chemische Unterricht in UII gestrichen ist, 80 greifen Sie doch Schon 
einigermalſsen in einander, und ehe der Lehrer im Unterricht zur Speziellen 
Mineralogie kommt, deren chemisch Schwierige Partieen er natürlich 
der 1 überlasSen wird, Sind die Schüler auch im Verständnis cehemischer 
*) „In meiner 22jährigen Lehrthätigkeit", Sagt er, „habe ich die Wahrnehmung 
gemacht, daſs das Kapitel der fünf regulären Körper gelbst dem im gstereometrischen 
Anschauen geübten Primaner Schwierig wird. Wie Ssoll nun der Ober-Tertianer be- 
fähigt gein, die bei weitem schwierigeren Krystallformen und das Entstehen dergelben 
aus den einfachen Formen richtig aufzufassen ?" 
**) Dieselbe These wird auch von mehreren anderen Referenten gestellt, von 
den Direktoren und Lehrerkollegien aber meist verworfen.
	        

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