Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

156 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 
Vorgänge und Verbindungen 80 weit gekommen, daſs der Unterricht 
einigen festen Boden unter den Füſsgen hat. 
Was aber die Krystallographie anlangt, 80 beginnt wohl an allen 
Reallehranstalten der Stereometrische Unterricht, wenn nicht Schon in 
Ü- Spätestens in OIJ, und 80 Steht denn auch den krystallographischen 
Formen und Ableitungen gegenüber der Ober-Sekundaner erfahrungs- 
mälsig ganz anders ausgerüstet gegenüber, als früher, wo er noch nicht 
einmal die Planimetrie bewältigt hatte. 
Mit einem Worte, in OII kann (insbegondere für die Krystallographie 
und die allgemeine Kennzeichenlehre der Mineralien überhaupt) ein Grund 
gelegt werden, auf dem gich dann in I weiter bauen läſst. Nicht auf die 
Menge der in OII zu beschreibenden Mineralien kommt es an, Sondern 
darauf, daſs der Schüler nicht nur die theoretiSche Krystallographie be- 
griffen hat, die dem mathematisch einigermaſsen beanlagten Schüler hier 
keine erheblichen Schwierigkeiten mehr macht, Sondern daſs er lernt, 
Sie auf die Mineralien anwenden. Erst dadurch erlangt Sie einen natur- 
wiSSengchaftlichen Wert, daſs der Schüler im stande ist die Form eines 
wirklichen Krystalls zu erkennen, nicht nur in den verhältnismäſsig 
Seltenen Fällen, wo die Krystalle 80 gut ausgebildet und 80 weit iSoliert 
Sind, daſs auch jeder Laie einen Würfel, ein Oktaeder oder Rhomboeder etc. 
erkennt, Sondern in den leider unendlich häufigeren Fällen, wo überhaupt 
nur wenige Flächen der Form ausgebildet Sind, und die Phantagie das 
Fehlende ergänzen muſs, eine auch für den Mineralogen von Fach mit- 
unter recht Schwere, aber für die Stereometrische Anschauung, wie für 
die Einsicht in die Gestaltungsgegetze .der anorganischen Welt äuſserst 
bildende Übung. Krystallographischer Unterricht, der den Schüler nicht 
dahin bringt, die ihm theoretisch (d. h. in ihrer idealen Form) wohl be- 
kannten Formen auch in der Natur, d. b. an wirklichen Krystallen in 
allen nicht zu Schwierigen Fällen wiederzuerkennen, die Formen des 
wirklichen Krystalles zu analySieren, ist naturwisSenschaftlich wertlos, 
womit Ihm ein bildender Wert an Sich gar nicht abgesprochen werden 
Soll. Ref. iSt 80gar geneigt, diesen recht hoch zu Stellen; aber er kommt 
der mathematiSchen Anschauung, nicht der naturwissenschaftlichen zu 
gute, und um dieser, nicht um jener willen treiben wir doch Krystallo- 
graphie in unseren Schulen als unentbehrliche HilfswisSenschaft für 
Mineralogie, Chemie und Physik. In den letzteren Beziehungen wird Sie 
freilich auf der Schule vernachlägsigt und muſs vernachläsgigt werden, 
weil der Schüler weder in ONL, noch in UI in der angewandten Krystallo- 
graphie Soweit gebracht werden kann, wirkliche Krystalle aufser in den 
allerleichtesten Fällen zu erkennen.
	        

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