Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 157 
Däraufhin aber, daſs man etwa einen Würfel oder eine andere ein- 
fache Krystallform an dem oder jenem Mineral ohne alle weitere Vor- 
kenntnis als Solche erkennt, auf induktivem Wege die Krystallographie 
aufbauen zu wollen*), iSt eine Verkennung der Schwierigkeiten, welche 
die richtige Deutung der Krystalle und die Ermittelung der Krystall- 
geSetze dem mensgSchlichen Scharfsinn bereitet hat. Hier hatte man es 
ja nicht, wie bei dem geocentrischen Standpunkte der Alten, mit einer 
Sinnestäuschung zu thun, mit deren Aufhellung das wahre Verhältnis 
auch dem Laien einleuchten muſste, Sondern mit komplizierten geome- 
triSchen Verhältnisgen, für deren Deutung und Klarlegung der gesunde 
MenSchenverstand nicht ausreicht. Die theoretische Krystallographie ist 
angewandte Geometrie; darum aber iSt es gestattet, Sie, wie die Geometrie 
Selbst, auf deduktivem Wege zu lehren, und dieser Weg Iist der einzige, 
der Schnell und Sicher zum Ziele führt; der andere kommt für die 
Schule gar nicht in Betracht und läuft hier nur auf eine Spielerei hinaus, 
Danach kann von einem wirklichen Nutzen des Kkrystallographischen 
Unterrichts in DI oder UI kaum noch die Rede Sein; auch behauptet 
keiner der Herrn Referenten, auch keiner von den Reallehranstalten, daſs 
er im krystallographischen Unterricht dies er KlasSen die Schüler dahin 
bringe, die Mineralien aufser in Sehr wenigen besonderen leichten Fällen 
an ihrer Krystallform zu erkennen. Das wird aber auch in I nur dann 
erreicht werden, wenn für die Mineralogie, mindestens für die allgemeine 
Mineralogie, ein gesonderter Unterricht angesetzt wird, der Sehr wohl 
nach OII gelegt werden kann.**) 
Referent ist auf den Einwand gefaſst und will demselben eine theore- 
tische Berechtigung durchaus nicht absprechen, daſs es Sich ja bei dem 
mineralogischen Unterricht in OI oder UII nur um einen propädeutischen 
Kursus handle (Breslau Zwinger) und handeln Solle, und daſs der Schüler, 
wenn auch keine EinsSicht in die krystallographischen und chemischen 
und auch nur einen ganz oberflächlichen in die physikaliSchen Verbält- 
nisse der Mineralien, doch eine gewisse Kenntnis dersSelben erlangen 
könne. Das kann ja gar nicht bestritten werden, und jeder Mineralien- 
händler, der gewöhnlich doch nicht Mineralog ist, bestätigt es Ja. Aber 
man vergiſst, daſs desgen Kenntnisse auf einer ganz anderen Voraus- 
Setzung ruben. Er hat Sich Jahre lang mit Mineralien beschäftigt, Sie 
in ihren versgchiedensten Varietäten immer und immer wieder gesehen 
und verglichen; er hat die Mineralien an ihren äuſserlichsten Merkmalen 
*) Vergl. Bail, Leitfaden der Mineralogie 8 5, 8 6, 5 10 und Sonst. 
&) Diege Angicht gcheint der Ref. der Breglauer Ob.-R. zu teilen, aber den 
mineralogischen Unterricht für I regervieren zu wollen.
	        

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