Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

158 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 
wieder erkennen gelernt, wie ein Kellner im Auglande eine fremde 
Sprache, da, wo Sie gesprochen wird, den Gebrauch bis zur Fertigkeit 
lernt, ohne von Ihrem grammatischen Bau eine Ahnung zu haben. Der 
Schüler, der nur ausnahmsweise mehr von den Mineralien Sieht, als ihm 
die Schule In den wenigen Stunden bietet, und der dasselbe Mineral nach 
der Demonstration vielleicht niemals wieder zu Sehen bekommt, wie Soll 
der aus den wechselnden Merkmalen der Farbe, des Glanzes (Härte und 
Spec. Gewicht Sind Schon nichts unmittelbar zur Anschauung Kommendes 
und werden leicht vergessen) einen bleibenden Kindruck behalten? Man 
verguche es doch nur, ob er nach 1-2 Jahren die Mineralien alle auch 
nur in den Stücken wiedererkennt, die er bei der Demonstration ge- 
Sehen hat. 
Will man also auf Solchen unsSicheren Grund bauen, dann verzichte 
man wenigsteus auf alles, was nicht häufig vorkommt, d. h. man besSchränke 
den Unterricht anf diejenigen Mineralien, die an der Bildung der Gesteine 
vorzugsweise beteiligt Sind, wie Feldspat, Quarz, Glimmer, Hornblende 
(Angit), Kalk (Marmor), Gips und Schlieſsge daran die Betrachtung der 
verbreitetsten, daraus zuSammengegetzten Gebirggarten, die dem Schüler 
wenigstens in Form von Trottoirsteinen, Grabdenkmälern und Sonstigen 
Kunstprodukten bekannt Sind, ferner als ChausSeebaumaterial (Bagalt) 
oder in Geschieben und Feldsteinen, die ja auch in der norddeutschen 
Ebene hier und da noch in Menge verbreitet Sind. Ist noch Zeit übrig, 
So kann man Ja einige Sehr verbreitete Erze, wie Schwefelkies und allen- 
falls Bleiglanz, Zinkblende, Kupferkies*) durchnehmen, und auch die 
Steinkohle und Braunkohle Sollte dann nicht fehlen, obwohl der Schüler 
ihnen im Unterricht nicht viel mehr absgieht, als er Schon zu Hause ge- 
than. Fügen wir noch Steingalz, Graphit und Schwefel hinzu, an denen 
der Tertianer indes auch nicht viel beobachten wird, was er nicht ohnehin 
wuſste, 80 werden wir wohl am Ende angelangt Sein. Was es dem Schüler 
nutzen 8011, etwas über den Hochofenprozeſs oder andere metallurgische 
Vorgänge, zu deren Verständnis Schon recht gründliche chemische Kennt- 
nisge gehören, zu erfahren, iSt uns ebenso unerfindlich, wie ein Erfolg 
von dem Verguche, einem Tertianer die Elemente der Geologie klar zu 
machen; die damit verbrauchte Zeit wird wahrlich besser ifür die An- 
thropologie verwendet. Denn die Kenntnis des mensgchlichen Körpers 
iSt denn doch für den Gebildeten wichtiger als einige mineralogische 
Brocken. 
*) Diesen vom Schwefelkies zu untergcheiden, ist für einen Ober-Tertianer Schon 
eine ganz hübsche mineralogische Aufgabe, an deren SgSelbständiger Lögung gchon 
mancher Scheitern dürſte.
	        

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