Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

7;el und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat, 159 
Ein Schüler, der ungere höheren Lehranstalten mit der Qualifikation 
zum ein]. freiw. Dienst verläſst, nimmt auch in fast allen anderen Un- 
terrichtsgegenständen eine fragmentariSche Bildung mit; es ist aber, 
ungeres Erachtens, weit mehr zu bedauern, daſs er ohne chemische Kennt- 
niSSe ins Leben tritt als ohne mineralogische. Es ist daher gewiſs ein 
richtiger Gedanke, der in mehreren Referaten, inSbesondere auch gym- 
nagSlalen ausgesprochen wird, man Solle, Sei es in OlIII, Sei es in UIII, wo 
ibn das Gymnasium (für die Mineralogie allerdings zu Spät) Ja Schon hat, 
einen propädeutischen Kurgus in der Chemie einrichten. Jedenfalls würde 
ein Solcher in der Hand eines erfahrenen und geschickten Lehrers mehr 
nutzen als der mineralogische. Bei dem Verguche, ihn mit dem letzteren 
zu verbinden, kann nichts herauskommen. 
Für die Verlegung des grundlegenden mineralogischen Unterrichts 
in die OII der Reallehranstalten Spricht auch der Umstand, daſs die Chemie 
in 1, die ohnehin unter der Masse deskriptiven Materials, das Sie not- 
gedrungen verarbeiten muſs, leidet, jetzt auch noch mit der beschreiben- 
den Mineralogie Sich belasten muſs, Es fällt das um 80 mehr ins Gewicht, 
als auch der angehende Primaner Seit Abschaffung des chemischen Un- 
terrichts in UII weniger gründlich und Sorgfältig vorbereitet in den che- 
miSchen Unterricht der Prima eintritt als früher.*) Zeit für die Mine- 
ralogie in OII kann wenigstens an den Anstalten, wo die II geteilt ist, 
dadurch gewonnen werden, daſs die Physik von ibren drei Stunden eine 
abtritt, was auch bei den Physiklehrern auf wenig Widerstand StoſSen 
dürfte.**) Der Ausweg, ihnen Selbst den grundlegenden Unterricht in der 
Mineralogie zu übertragen, d. h. die Verpflichtung aufzulegen, einen Teil 
der gegamten Unterrichtszeit auf die Mineralogie zu verwenden, würde 
meisSt daran Scheitern, daſs Sie nicht die erforderlichen, nicht ganz un- 
erheblichen Kenntnisse besitzen; aber auch Sonst liegt der mineralogische 
Unterricht besser in der Hand des Chemielehrers, der weit mehr Ge- 
legenheit und VeranlasSung bat, von mineralogiachen und inSbegondere 
auch von krystallograpbhiSchen KenntnisSgen Gebrauch zu machen und Sie 
*) Wegentlich derselben Angicht scheint Direktor Reier vom Realgymnagium 
Landeghut zu gein, der indes durch möglichste Einschränkung des mineralogischen 
Stoffes Abhilfe Schaffen will, ohne doch darüber hinwegzukommen, daſs der Primaner 
auch die Elemente der Krystallographie „in wenigen Stunden", wie er annimmt, 
lernen muſste. Ja, wenn es Sein muſs, kann man die Krystallographie auch, zumal 
in I, in wenigen Stunden durchnehmen; aber daſs dabei für die Mineralogie etwas 
herauskommen wird, das darf gich einer, der geit 28 Jahren mineralogischen Unter- 
richt erteilt, zu bezweifeln erlauben. 
**) Für das Abtreten einer Stunde vom physikalischen Unterricht der OII ist 
Realg. Neiſse mit Seinem Direktor einverstanden, aber zu Gunsten der Naturgeschichte 
im allgemeinen,
	        

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