Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat, 161 
AbgschlusSes willen, manches Schon in IV bringen muſs, was die Real- 
lehranstalten bis III verschieben können. Denn die Verlängerung ihres 
naturbeschreibenden Unterrichts um ein Jahr giebt nach den Begtim- 
mungen zwar „die Möglichkeit, den Unterrichtsstoff in angemesSener 
Weise zu erweitern"; dabei aber Soll nicht irgend welche Vollständig- 
keit erzielt werden, Sondern auf Gewandtheit und Sicherheit der Beob- 
achtung im engeren Kreise komme es an, Die Reallehranstalten würden 
daher die günstigere Stellung, die Sie zum naturbeschreibenden Unter- 
richt haben, preisgeben, wenn Sie um der Übereinstimmung mit dem 
GymnasSium willen, eben 80 Schnell vorwärts eilten, wie es dieges aus 
äuſgeren Gründen thun muſs.*) Im ganzen und grofsen Stimmen die vor- 
liegenden Referate darin überein, daſs das Maſs der unter den gegebenen 
VerhältnisSen erreichbaren und wünschenswerten Kenntnisse durch die 
Lehrpläne vom 31. März 1882 richtig festgegetzt iSt. Referent ist geneigt, 
die den Anstalten gesteckten Ziele nicht für zu niedrig, Sondern eber 
für zu hoch zu halten. Das gilt nicht bloſs von der Mineralogie, Sondern 
Zz. T. auch von der Botanik und Zoologie, von der ersteren wenigstens 
bezüglich der Forderung, die Schüler in zwei botanischen Systemen 
heimisch zu machen. Die Wüngche, dem naturbeschreibenden Unterricht 
höhere Ziele zu Stecken, als Sie oben entwickelt Sind, beruhen mehr oder 
weniger auf einer Verkennung der Leistungsfähigkeit und geistigen Reife 
der Schüler ungerer oberen Klassen, denen vor allem auch noch die 
physikaliSchen und chemischen Vorkenntnisse zu einer wiSSensSchaftlichen 
AuffasSung der NaturgesSchichte fehlen. 
Thesen. 
1. Das Ziel des naturbeschreibenden Unterrichts ist der Begitz eines gewisgen 
unentbehrlichen Maſses naturwissgenschaftlicher Bildung auf dem Gebiete der 
drei Sogenannten Reiche der Natur. 
2. Diesge Bildung begreift in Sich nicht nur wohlgeordnete zoologische, bota- 
niche und mineralogische Kenntnisse, 80ndern auch die Fähigkeit, dieselben 
über die Schule hinaus gelbstthätig zu erweitern. 
3. Zur Erlangung dieger Fähigkeit bedarf es einer besgonderen, durch anderen 
Unterricht nicht erreichbaren geistigen Schulung, 
4. Der Schüler goll an den ihm vorzuführenden Naturobjekten lernen: a) das 
Wegentliche vom weniger Wegentlichen unterscheiden, b) durch Vergleich die 
gemeingamen Merkmale von den nicht gemeinsamen trennen, c) die ersteren 
zur Bildung höherer Einheiten zusammenfasgen, um endlich zu einer Über- 
Sicht über das Ganze zu gelangen. Aber er g8oll die Naturgegenstände nicht 
*) Da mehr Schüler vom Gymnasium auf Reallehranstalten übergehen, als um- 
gekehrt, 80 haben die ersteren den Vorteil, ihre etwaigen Lücken in der Natur- 
beschreibung im Unterricht Selbst auszunfüllen. 
Provinz Sehlegien. 11
	        

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