Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

166 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Korreferat. 
und Pflanzen fehle, die Behandlung dieser Disziplinen aber als unbedingtes 
: Erfordernis hingestellt werden müsse." Wie gich das Kollegium zu dieger 
Frage Stellt, iSt aus dem Konferenzprotokoll nicht ersichtlich. Das alles 
Sind übrigens Wüngche, über deren Berechtigung man wohl verschiedener 
Meinung Sein kann, die Sich aber durchaus in den Grenzen einer mög- 
Jichen Durchführung halten. Nur ein Referat vertritt einen Standpunkt, 
der nicht mehr diskutierbar ist, und über den man ohne weiteres hin- 
weggehen könnte, wenn nicht die Art, wie dergelbe begründet wird, 
charakteristisch für manche ähnliche AnslasSungen ungerer Tagespresse 
wäre, Es ist das Referat des RealprogymnasSiums zu Ratibor. Nach 
demselben kann an ungeren höheren Lehranstalten nur dann eine har- 
moniSche Ausbildung des Geistes erlangt werden, wenn der bisherigen 
einseitig sprachlichen Bildung dadurch ein Gegengewicht gegeben wird, 
daſs der naturwisSenschaftliche Unterricht eine gleiche Berücksgichti- 
gung wie jener erfährt, d. h. daſs die wöchentliche Stundenzahl des- 
Selben eine annähernd gleiche wie bei jenem wird. Es wird demnach 
allen Ernstes verlangt, daſs der naturwisgenschaftliche Unterricht auf 
den Gymnagien von 18 auf 31, auf den Realgymnagien von 30 auf 40, 
auf den Ober-Realschulen von 36 auf 54 und auf den höheren Bürger- 
Schulen von 21 auf 31 Stunden wöchentlich erhöht wird. Woher die 
gewünschten Mehrstunden auf dem R.-G., der h. B. und der O. R.-Sch. 
genommen werden Sollen, darüber Spricht Sich der Ref. nicht aus; auf 
dem G. Sollen Sie jedenfalls dem klasSiSchen Sprachunterricht entzogen 
werden; denn „der Vorteil, welcher dadurch für eine harmonische Geistes- 
bildung erzielt wird, ist um den Preis einer Herabminderung der Stunden- 
zah] für die toten Sprachen oder auch des gänzlichen Ausfallens 
einer derselben nicht zu teuer erkauft. -- Diese Vermehrung der 
naturwissenschaftlichen Lehrstunden Soll aber keine Überbürdung, 
Sondern eine Entlastung des Schülers herbeiführen. Der Nutzen der 
häuslichen Aufgaben in den Sprachen ist ein änſgerst geringer, 
und der Zeitaufwand hierfür ein auſserordentlicher. Bei den Vor- 
bereitungen zu den fremden Schriftstellern füllt das unfruchtbare 
Aufschlagen des Wörterbuchs den gröſfsten Teil der Zeit aus, weil die 
erlangten Kenntnisse zur Bewältigung der Schwierigkeiten nicht aus- 
reichen, die dann durch gedruckte Übergetzungen in einer pädagogisch 
recht bedenklichen Weise umgangen werden. Nicht besger gind die Er- 
folge beim Übergetzen in die fremde Sprache, und Schlieſslich wird 
doch nur ein Kritikloger Autoritätsglaube groſsgezogen, Schön- 
rednerische Phrase, 8ophistiSche WortweiSheit und dünkel- 
hafte Selbstüberhebung."
	        

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