Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

1638 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Korreferat. 
der Erörterung des ersten überbaupt Abstand genommen werden können, 
erstens, weil das Thema Sie nicht verlangte, zweitens, weil Seine Iden- 
tifizierung in zahlreichen Referaten mit dem Avusdruck „formales Ziel" 
dem naturwisSensSchaftlichen Unterricht ausschlieſslich Zwecke zuschreibt», 
welche auch durch andere Lehrgegenstände erreicht werden (wie: Übung 
im folgerichtigen Denken, Förderung der Genauigkeit und Geläufigkeit 
im Sprachlichen Ausdruck, Schärfung des Verstandes durch Vergleichung 
und Abstraktion, Belebung des religiöSen, Sittlichen und ästhetischen 
Gefühls, 80 Beuthen, Glatz, Hirschberg y. a.) abgegehen davon, daſs 
der größsere Teil dieser vermeintlichen Zwecke -- worauf auch die Re- 
ferate von Görlitz und Schweidnitz hinweisen -- wohl richtiger als 
Wirkungen des Unterrichts anzusehen Sind. Auch das Erregen von 
InteresSe, auf welches einzelne Gutachten einen besonderen Wert 
legen, (Breglau, Friedrich-G. und Magdal., Kattowitz u. a.) Kann nach 
meiner Meinung nicht als Hauptzweck des naturwisSensSchaftlichen Unter- 
richts hingestellt werden; denn „die Erregung eines oberflächlichen In- 
teresSes macht den Unterricht zur Spielerei und verdirbt den GesSchmack 
an der Wisgenschaft" (Glogau ev.); zudem kann eine überwiegende 
Rücksichtnahme auf das, was den Schüler IinteressSieren Soll, leicht dazu 
führen, ihm nur InteresSantes zu bieten, was wohl Seine Neugierde be- 
friedigt, ihn aber „gedankenlos von Erscheinung zu Erscheinung, von 
Form zu Form schweifen läſst" (Königshütte); endlich wird der Lehrer, 
der geinen Unterricht vor allem interesSant zu machen bestrebt ist, nicht 
Selten genötigt Sein, weitläufig ThatSachen augeinander zu Setzen, „die 
er zur Erregung des Interesses für geeignet hält; dadurch aber wird er dem 
naturgeschichtlichen Unterricht Seine ihm eigentümliche Kraft entziehen; 
eine Unterrichtsstunde ist eben kein populärer Vortrag." (Königshütte.) 
Was nun die das Ziel des naturbeschreibenden Unterrichts angeben- 
den Thegen 1 und 2 des Herrn Referenten betrifft, 80 dürfte es Sich em- 
pfehlen, Statt der Worte: „Begitz eines gewisSen unentbehrlichen 
Maſses", die zu unbestimmt Sind und dem Subjektiven Belieben des Ein- 
zelnen überlasSen, was er für unentbehrlich hält, zu Setzen: „Die Sichere 
Aneignung eines beschränkten Maſses"; da aber beide Thesen auch 
inhaltlich nicht von einander zu trennen Sind, ingofern die zweite nur 
im besonderen ausführt, was die erste allgemein angedeutet hat, 80 Sind 
Sie meiner AnSgicht nach auch formell nicht zu trennen; d. h. Sie müSSen 
in eine einzige, das Ziel des naturwisSenschaftlichen Unterrichts be- 
zeichnende These zuSammengeſaſst werden. Ich Schlage daber vor, These 1 
und 2 des Herrn Referenten zu der nachstehenden einen These zu Ver- 
einigen: 
 

	        

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