Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des nraturbeschreibenden Unterrichts. Korreferat. 169 
These 1. „Ziel des naturbeschreibenden Unterrichts 
iSt die Sichere Aneignung eines zwar beschränkten, aber 
wohlgeordneten Malſses ZoologisScher, botanischer und 
mineralogischer Kenntnisse, die den Schüler befähigen 
und anregen, dieSelben auch Später Selbstthätig zu er» 
weitern." 
In These 4 des Herrn Referenten kann ich mich mit dem Zugatz: 
„Aber er Soll die Naturgegenstände nicht daraufhin angehen, wie Sie be- 
Schaffen, Sondern auch wie Sie geworden Sind und Sich gegengSeitig be- 
dingen" -- nicht einverstanden erklären. 
Wenn auch unbedingt zugegeben werden muſs, daſs der Schüler von 
der Beschaffenheit der Naturkörper nur durch Anschauung eine klare 
Vorstellung erlangen kann, 80 hört diese Anschauung doch auf Sich als 
wirksam zu erweisgen, wenn es Sich um das Werden der Naturobjekte 
und ihre gegengeitige Abhängigkeit handelt; denn weder das eine noch 
das andere läſst Sich an ihnen Sehen; -- das muſs dem Schüler als Ge- 
Schichte eines langsamen EntwickelungsprozesSes gelehrt werden. Ich 
Schlage daher vor, Statt des oben angeführten Zugatzes in 
These 4 fortzufahren: „doch Soll dem Schüler nicht nur 
der Blik für die reiche Mannigfaltigkeit der Naturkörper 
und Erscheinungen, Sondern auch das Verständnis für 
deren Entwickelungsgeschichte und für das Walten einer 
Strengen Gegetzmäſsgigkeit in der Werkstatt der Natur 
eröffnet werden." 
Daſs das Vorzeichnen des Lehrers an der Wandtafel bei dem natur- 
beschreibenden Unterricht auch Schon in den untersten Klassen ein un- 
entbehrliches Hilfsmittel ist, um Klarheit und Deutlichkeit der Anschauung 
zu erreichen, wie das Nachzeichnen des Schülers, 80 ungesSchickt es auch 
anfangs Sein mag, die Sicherste Kontrole für die Richtigkeit dersSelben 
iSt, wird von den meisten Gutachten ausdrücklich betont und wohl von 
allen, auch wenn es unausgesprochen geblieben, gebilligt; nur Hirsch- 
berg erklärt das Zeichnen zwar für vorteilhaft, aber nicht für durchaus 
nötig, und Wohlau Scheint Sich dieses Hilfsmittels lediglich in der II, 
und auch da nur mi einer gewissen Kinschränkung zu bedfenen, wie 
man aus der eigentümlichen Wendung: „Ein naturw;sSenschaftliches 
Zeichnen läſst Sich in der HI weder in der Botanik (Diagramme), noch 
in der Zoologie (innere Organe der niederen Tiere) vermeiden" -- zu 
Schlieſsen berechtigt ist; auch wird eine dahin gehende These des Be- 
richterstatters von dem Kollegium abgelehnt. -- Mit These 5 des Herrn 
Referenten bin ich inhaltlich vollkommen einverstanden; nur wünschte
	        

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