Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule. Referat. 11 
erwünscht, fast unentbehrlich. Aber folgt daraus, daſs Sie auf dem Gym- 
naSium erlernt werden muſs? Beruht nicht eben die Verwirrung und 
Verirrung der Angichten auf der durchaus unzutreffenden VorausSetzung, 
daſs die Schule das gesSamte WisSensmaterial, desSen Aneignung not- 
wendig erscheint, darbieten müsse? Gelangen wir nicht eben dadurch, 
daſs wir alles, was unzweifelhaft wisgenswert iSt, in die Schule einführen 
wollen, zum Gegenteil des gesunden Grundgatzes „ne multa, Sed multum'? 
Denn, wenn das EnglisSche als etwas WisSenswertes angeSehen und darnm in 
die Schule eingeführt wird, wird dasselbe dann nicht anch mit anderen 
Dingen geschehen mügsgen, Zz. B. mit der Kunstgeschichte? 
In betreff des Englischen lehrt mich meine Erfahrung, daſs auch ohne 
obligatoriSchen Unterricht der Schule in diesem Gegenstande Solche 
Schüler, an denen die Schule ihr ideales Ziel, allSeitiges InteressSe 
anzuregen, erreicht, Selbst das Bedürfnis empfinden, Sich das Englische 
auzueignen, und dem Selbstgewählten Gegenstande um 80 gröſfseren Kifer 
entgegenbringen und die für ihn nötige Zeit gewinnen. 
Darum möchte ich das Englische in keinem Falle, zumal auf den 
Gymnasien Ostdeutschlands, als obligatorisSchen Gegenstand einführen. 
Die Furcht ist durchaus begründet, daſs jede, auch die geringste Ver- 
mehrung des Gymnagialpengums Zersplitterung der Kräfte und Über- 
bürdung der Schüler verurgachen würde. Denn die Zeit durch Streichung 
biSheriger Lehrgegenstände zu gewinnen, geht nicht an. Die Streichung 
des Hebräischen zu diesgem Zweck hat keinen Sinn, da Sehr wenige 
Schüler an diegem Unterrichtsgegenstande teilnehmen. Entzöge man aber 
die für das Englische nötige Zeit den alten Sprachen, 80 träte trotzdem 
eine Mehrarbeit, also eine Überbürdung ein: denn 9 Stunden, die dem- 
Selben Fach gewidmet Sind, bedeuten für den Schüler nicht denselben 
Kraftaufwand, als dieSelben 9 Stunden, wenn gie auf zwei heterogene 
Fächer verteilt Sind. 
C. Gegen die „Methode" des Gymnagiums. 
Es ist kein Zweifel, daſs der vollkommenste Lehrplan keine Früchte 
tragen kann, wenn nicht die Lehrer methodisch arbeiten. Es wäre nun 
aber unmöglich, anzunehmen, daſs eine Schule vor allen andern durch 
Ihre Organigation zugleich eine Methode überkommen hätte, die von allen 
Lehrenden gleichmäſsig geübt würde und an allen Lernenden Sich gleich- 
mäſsig fruchtbar erwiese. Ein darauf gerichteter Wungch ist eine Utopie. 
Nichts desto weniger werden dem Gymnasium im allgemeinen, nicht bloſs
	        

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