Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf die Einrichtung der Einheitsschule, Protokoll. 177 
die Methode helfen Solle. Aber die Summe des zu EKrlernenden bleibe 
in den eingesSchränkten Fächern dieselbe. Begonders der lateiniSche 
Aufsatz werde als eine unnötige Belastung der Schüler angeführt. 
Diegser aber 8ei nur eine Frucht von Studien, welche auch dann gemacht 
werden müſsten, wenn der Aufsatz nicht gefordert würde. Werde die 
Jugend ins Latein eingeführt in einer WeiSe, wie Direktor Volkmann 
vor drei Jahren ausgeinandergegSetzt habe, 80 nehme die Arbeit alle 
zwei Monate 4 bis 5 Stunden Zeit in Anspruch. Der Einheitsschulverein 
werde thatsgächlich die bisherige Arbeit des Gymnasgiums nicht verkürzen. 
Die Methode aber mügse jeder nach eigener Kraft Sich bestens aneignen; 
Sie Sei etwas Flüssiges , nicht etwas Starres, ein für allemal Geltendes. 
Von einer Methode des EinheitsSchulvereins aber Sei keine Rede. Da 
. nun das Gymnasium nicht entlastet werde und die Jugend gerade genug 
belastet Sei, 80 trete Ref. gegen den EinheitsSchulverein auf und wolle 
die Jugend nicht mit allerlei Wisgen vollgepfropft Sehen. Weiter Sei 
geltend zu machen das historische Gerechtigkeitsgefühl, welches fordere, 
daſs man nicht obne weiteres das Bestehende wegwischen, nicht die 
Schwer erkämpften und mit grofsen Opfern eingerichteten Realgymnasien 
von der EinheitsSchule aufsaugen lassen dürfe; die Gründung dieger An- 
Stalten hätte viele Opfer gekostet und Sei aus dem Bedürfnisse der Zeit 
hervorgegangen. Es würde aber in der neuen Anstalt des EKinheits- 
Schulvereins der realistiSche Stoff des RealgymnagSiums nicht zu dem 
ihm gebührenden Rechte kommen. Die Neigung zu realistiSchen Studien 
Sei in der Nation noch vorhanden; höre man doch in der Pregsse die 
Klage, daſs das Gymnaglum zu weit abführe vom realen Leben. Diese 
Stimmen würden nicht verstummen nach Einrichtung der EinheitsSchule. 
ES bleibe besSonders der Kampf gegen das Griechische. Selbst be- 
deutende Männer, die durch das Gymnasium hindurchgegangen Seien, 
treten in den Kampf gegen dasselbe ein. Man würde nach Kinrichtung 
der EinheitsSchule das Griechische weiter bekämpfen und nicht für alle 
Schüler für erforderlich erachten; Somit entstände Bifurkation. Gegen diese 
würde ganz gewiſs die Mehrheit der Versammelten ankämpfen ; ein ge- 
meingSamer Unterbau dafür Sei nicht möglich, noch weniger eine Solche 
Gabelung, bei welcher die Schüler nur in einzelnen Fächern gemeinsam 
unterrichtet würden. BSchliefslich würde man immer wieder auf die 
Gründung realistiScher Anstalten, welche die Mitte halten würden 
zwiSchen Oberrealschule und Kinheitsschule, zurückkommen. Endlich 
Sei auch die Durchfühbrbarkeit der EinheitsSchule zu bestreiten ; die 
Kogsten würden enorm werden ; auch würden Sich die Anforderungen an 
die Leistungsfähigkeit der Direktoren unmälſsig Steigern. 
Provinz Schlesien. 12
	        

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