Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

198 Die öffentlichen Schulprüfungen an den höheren Lehranstalten. Protokoll, 
namentlich die Patronatsbehörden ; zugelasSen werden auch die Schüler 
anderer KlassSen der Anstalt; Gebet oder Gesang leitet in der Regel die 
Prüfungen ein, eingelegt werden Vorträge oder GegSangstücke, zuweilen 
werden auch Schülerarbeiten, besonders Probeschriften und Zeichnungen, 
ausgestellt ; früher war auch die Entlasgung der Abiturienten vielfach 
damit verbunden. 
bie Teilnahme des Publikums ist im allgemeinen gering. In 
Hirschberg waren bei ungefähr 200 Schülern durchSschnittlich 15 bis 20 
ErwachSene anwegend ; Seitdem die Zahl der Schüler 300 übergschritten 
hat, ist die Zahl der Zuhörer namentlich bei der Prüfung der drei 
„unteren KlasSgen gestiegen. Im Jahre 1886 waren bei der Prüfung der 
Prima 6, der Ober- und Untergekunda je 5, der Obertertia 8, der Unter- 
tertia 15, der Quarta 22, der Quinta 34, der Sexta 40, im Jahre 1887 bei 
der Prüfung der Prima 5, der Obergekunda 4, der Untergekunda 3, der 
Obertertia 7, der Untertertia 18, der Quarta 26, der Ouinta 32, der 
Sexta 32 Zuhörer anwegend, von denen freilich etwa ?/3; Mütter oder 
Schwestern der Schüler waren. Da in den übrigen Städten das 
Verhältnis ziemlich dasgelbe ist, 80 läſst Sich wohl behaupten , daſs 
die Prüfungen von den EKltern nicht als ein Bedürfnis empfunden 
werden. 
Der Zweck der öffentlichen Prüfungen wird am allgemeinsten in 
folgender Weise bezeichnet: „Sie Sollen den Eltern ein Bild von dem 
Leben und der Arbeit der Schule geben und dadurch ein Band zwisSchen 
Schule und Haus knüpfen." Entsprechend g8agt Frick in der Schmidschen 
Encyklopädie: „Sie Sind ein wichtiges, durch kein anderes Surrogat hin- 
reichend zu ergetzendes Mittel, durch welches der berechtigten und bei 
normalen VerhältnisSen natürlichen Forderung der Eltern und Angehöri- 
gen einer Anstalt, einen Kinblick in die Arbeit der Schule zu thun, am 
einfachsten Rechnung getragen wird." Spezieller formuliert Schrader in 
Seiner Erziehungslehre diesgen Zweck. Die Behauptung Fricks, daſs 
die Kltern ein unbestreitbares Anrecht haben, von der Arbeit, 
welche an ihren Kindern gethan wird, und der Art ihrer Handhabung 
Kenntnis zu erhalten, weil die Schulen „öffentliche"' heiſsen , ist unbe- 
gründet und beruht auf einer unrichtigen Auffassung von „öffentlich. Als 
Solche werden Sie nur ingSofern bezeichnet, als der Eintritt in dieselben 
jedem freisteht, der den von ihnen gestellten Anforderungen genügt, und 
Ihre Unterhaltung einer gröfseren Gesamtheit, Sei es dem Staate, Sei es 
der Kommune, obliegt. Ein Recht zur Mitausübung einer Art von Kon- 
trolle erwerben die Eltern durch die Überführung ihrer Kinder in eine 
Schule nicht.
	        

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