Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Die öffentlichen Schulprüfungen an den höheren Lehranstalten. Protokoll. 199 
Es fragt Sich nun, ob der Wungch der Eltern berechtigt ist, die 
Lehrer in ihrem Wirken zu Sehen und unmittelbare Zeugen der Leistun- 
gen ihrer Kinder zu 8ein. Über dieges Hinaustreten der Schule in die 
Öffentlichkeit Stehen die Angichten Sich Schroff gegenüber ; die einen 
Sehen darin ein notwendiges Band zwischen Schule und Haus, die an- 
deren eine Profanation des innersten Wegens der Schule. Beide An- 
Sichten gehen zu weit; und es empfiehlt Sich deshalb in objektiver Weise 
zu untersuchen, was die öffentlichen Prüfungen, 80 wie Sie Jetzt 
Sind, zu leisten vermögen. Hierbei gind die Elemente, welche aktiv 
oder passSiv dabei beteiligt Sind, zu berücksichtigen. Der prüfende 
Lehrer kann Sein Urteil über Seine Schüler nicht auf Grund der Prüfung 
bilden oder auch nur ergänzen ; ebensowenig kann der Direktor Seine 
Beurteilung der Leistungen der Lehrer oder Schüler hiervon abhängig 
machen ; die anderen Mitglieder des Lehbrerkollegiums können 
unter Umständen für die Methode aus den Prüfungen lernen, doch läſst 
Sich dasgelbe auf andere Weise -- durch Hospitieren und Klassen- 
prüfungen --- besger erreichen. Die Schlüsse, welche die Behörden und 
namentlich bei städtischen Patronaten die Vertreter des Kuratoriums aus 
der Prüfung über die Leistungen der Lehrer und Schüler ziehen, ruhen 
auf Sehr ungicherem Grunde ; jedenfalls würden Sie ein zuverlässigeres 
Urteil auf Grund gutachtlicher Äuſserungen - des Direktors Sich bilden 
können. Auch für die Eltern haben die Prüfungen keine Bedeutung, 
Sollen gie für diese Interesse haben, 80 müsgen möglichst vielen Schülern 
möglichst viele Fragen vorgelegt werden und zwar Solche, auf welche 
richtige Antworten erwartet werden können; die Beantwortung von der- 
artigen leichten Fragen kann aber kein Maſsstab für die wirkliche 
Leistungsfähigkeit der Schüler Sein; ebensowenig darf aus dem Vergagen 
eines Schülers auf Leistungsunfähigkeit geschlosSen werden. Das Ver- 
Sagen berührt die Eltern peinlich, Sie Sind auch unbefriedigt, wenn der 
Sohn keine Frage erhält. Die Leistungen der Schüler in der Prüfung 
werden von den Eltern auſserdem leicht überschätzt, 80 daſs ihr Urteil 
irre geführt wird. Die Censuren und Extemporalienhefte Sind die einzige 
Sichere Grundlage für die Beurteilung der Schüler Seitens der Kltern. 
Ein anschauliches Bild von der Art und Verteilung des Unterrichtes und 
Lehrstoffes, welches nach Schrader die öffentliche Prüfung entrollen Soll, 
kann diese nicht geben; die Sprachlichen und mathematischen Fächer 
werden bei ihr Stets im Vordergrunde Stehen müSSen. Auch der Wungch 
der Eltern, die Lehrer, denen Sie ihre Kinder anvertraut haben, kennen 
zu lernen, wird durch die Prüfung nicht erfüllt. Viele Lehrer geben 
Sich in dergelben nicht 80 wie Sie Sind, und öffentlich aufzutreten ist
	        

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