Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

900 Die öffentlichen Schulprüfungen an den höheren Lehranstalten. Protokoll. 
nicht jedermanns Sache; 80 entsteht leicht ein unrichtiges Urteil. Das 
Haus hat die Pflicht, auf andere Weise eine Verbindung mit dem Lehrer 
zu Suchen. Es bleibt die Frage, ob die Schüler von der Prüfung einen 
Gewinn haben; Schrader behauptet dies, inSofern ihnen hier Gelegenheit 
geboten werde, in anständiger Haltung und mit bescheidenem Freimut 
ihre Kenntnisse vor einer gröſfseren Zuhörerschaft darzulegen, und in- 
Sofern durch die Prüfung das Gemeingefühl in ihnen gestärkt, die Liebe 
zu ihrer geistigen Pflegestätte und die innere Teilnahme an der Ehre 
und Wohlfahrt dergelben geweckt werde. Die Gegner erklären Eitelkeit 
und Selbstüberschätzung der Schüler als eine Folge dersgelben. Letzteres 
iSt übertrieben, aber für die Erreichung des von Schrader erwähnten 
Zieles giebt es andere Wege; eine Sittliche Kinwirkung läſst Sich von der 
Prüfung nicht erwarten. 
Die öffentlichen Prüfungen Sind Somit für alle Beteiligten be- 
deutungslos, aber Sie bergen auch 80gar eine gewisse Gefahr in Sich, 
wenn der Lehrer, um ein möglichst günstiges Regultat zu Sichern, die- 
Selben in den Unterrichsstunden vorbereitet und 80 aus ihnen eine 
Schaustellung macht, die einer mehr oder weniger beabsichtigten Täu- 
Schung nahe kommt. 
Wie Stellt Sich nun das gröfsere Publikum in Seinem Ur- 
teil zu den Prüfungen, und welche Stellung nehmen die Lehrer 
zu denSelben ein? 
Der Mangel an Teilnahme Seitens des Publikums beruht nicht auf 
Mangel an Interesse für die Schule, Sondern auf richtiger Würdigung 
der Bedeutung der Prüfung. Die Kitern 8agen Sich, daſs Sie aus wenigen 
Fragen Sich kein begründetes Urteil über die Leistungen ihrer Kinder 
bilden können, oder Sie verallgemeinern, was in einzelnen Fällen vor- 
kommt, und Sehen in der Prüfung eine vorbereitete Aufführung oder 
endlich Sie verzichten darauf, Sich den AngSchein eines Interessges für 
viele Gegenstände zu geben, das 8ie aus Mangel an Verständnis nicht 
haben. 
Daſs der gröfste Teil der Lehrer den öffentlichen Prüfungen nicht 
SympathiSch gegenübersteht, ist wohl erklärlich ; gerade der ernste und 
gewisSenhafte Lehrer will Sich nicht gern vor einem neugierigen, Zum 
groſgen Teil inkompetenten Publikum prägentieren und einer oft un- 
gerechtfertigten Kritik aussetzen. Wenn Frick mit Bezug auf die Be- 
deutgamkeit dieser Kritik fordert, daſs der Direktor Anfänger oder für 
ein öffentliches Auftreten wenig geeignete Lehrer an der Prüfung nicht
	        

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