Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Die öffentlichen Schulprüfungen an den höheren Lehranstalten. Protokoll, 901 
teilnehmen lasse, 80 wird diese eben hierdurch zu einer Schaustellung, 
für welche die Akteurs geflisSentlich ausgesSucht werden. 
Das Regultat der Erörterungen des Referenten Iist, daſs die öffent- 
lichen Prüfungen kein klares und ungetrübtes Bild von dem wahren Leben 
und der Arbeit der Schule, von den Leistungen der Schüler, von der 
Pergönlichkeit der Lehrer und ibrem Verkehr mit den Schülern geben, 
und daſs es Statt dieser trüben Quelle viele andere , reinere und durch- 
Sichtigere giebt, zu welchen den Eltern und Behörden der Zutritt 
jederzeit offen Steht. Die Prüfungen Sind überflüssig, wenn nicht 
nachteilig; daher Spricht Sich der Referent principaliter für Abschaffung 
dergelben aus. 
Auf VeranlasSung des Vors. bricht der Ref. hier, am Ende des 
ersten Teiles Seiner Erörterung , vorläufig ab. Das Wort erhält der 
Korref. Direktor Jungels; dergelbe führt etwa Folgendes aus: Nachdem 
die öffentlichen Prüfungen ihren Einfluſs auf die Versgetzungen verloren, 
hatten Sie in früherer Zeit noch eine doppelte Bedeutung; Sie Sollten den 
Städtischen Behörden und Eltern Gelegenheit geben Sich ein Urteil über 
die Leistungen der Lehrer und der Schule zu bilden und dem Schuljabre 
einen feierlichen Abschluſs geben ; nur das Letztere iSt heute geblieben. 
Die Abhaltungen dieser Prüfungen ist nicht generell angeordnet, Sondern 
beruht nur auf dem Herkommen. Im Jahre 1886 waren unter 460 
preuſsSischen Anstalten, Soweit dies festgestellt werden konnte, 191 ohne, 
267 mit öffentlicher Prüfung, unter 54 SchlegiSchen die Hälfte mit, die 
Hälfte ohne öffentliche Prüfung. Unter den 267 (27 schlegischen) An- 
Stalten, die Prüfungen abhielten, dauerten dieselben an 112 (14) An- 
Stalten ?/s Tag, an 111 (10) 1 Tag, an 32 (2) 1!/3 Tag, an 9 (1) 2 Tage, 
an 3 (0) 2!//% Tag; Sie erstreckten Sich auf alle Klassen bei 195 (20), auf 
die oberen und mittleren bei 5 (0), auf die unteren und mittleren Klassen 
bei 51 (4), nur auf die unteren Klassen bei 9 (2), nur auf die Vor- 
Schule bei 7 (1) Anstalten. Hiernach Sind zahlreiche Anstalten ohne 
Prüfung ; ihre Zahl wächst, wie auch die Einschränkung der Prüfung in 
Bezug auf die Zeitdauer und die Zab] der geprüften Klassen zunimmt. 
Der Grund liegt nicht 80wohl an dem Mangel an geeigneten Lokalitäten 
als in der Teilnahmlosigkeit des Publikums. Gegen die öffentlichen 
Prüfungen Sprechen zunächst prinzipielle Gründe. Sie haben ihre eigent- 
liche Bedeutung verloren und Sind zu Scheinprüfungen herabgesSunken, 
die Sich mit dem Ernst und der Wahrhaftigkeit, welche der Schule 
ziemen, nicht vertragen. Wenn, wie Frick will, die Eltern und städti- 
Schen Behörden ein Recht darauf haben, Sich von dem Zustande der 
höheren Lehranstalten eine eingehende Kenntnis zu Verschaffen, 80
	        

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