Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

902 Die öffentlichen Schulprüfungen an den höheren Lehranstalten. Protokoll, 
müssen wir, da die öffentlichen Prüfungen ihnen diegse nicht vermitteln 
können, mit Herbart die weitere KongSequenz dieses Rechtes zieben und 
den Eltern und Behörden auch im übrigen den Zutritt zur Schule ge- 
Statten, 80 daſs diese jedermann offen Steht, Daſs dies nicht angängig 
iSt, leuchtet ein. Die öffentlichen Prüfungen gewähren kein zutreffendes 
Bild von den wirklichen Leistungen der Schüler und der Wirkgsamkeit 
der Schule. Etwaigen Versguchen von Lehrern, diegelben zu einer bloſsen 
Schaustellung zu machen und die Schüler für Sie abzurichten, kann frei- 
lich vorgebeugt werden; aber die Öffentlichkeit verlangt eine andere Art 
der Behandlung als die in der Schule ist; es liegt in der Natur der 
Sache, daſs man die Schwächen in den Leistungen nicht gern Sehen läſst, 
um die Empfindungen der anwegenden Eltern zu Schonen und das An- 
Sehen der Schule nicht zu gefährden. 
Die Prüfungen Sind auch nicht geeignet, den Lehranstalten das 
Vertrauen der Eltern zu gewinnen und zu erhalten, da diese Sich längst 
entwöhnt haben, darin den Ausdruck der wirklichen Leistungen der 
Schule zu Sehen: Bei dem Mangel an Interesse und Teilnahme können 
Sie auch nicht die Verbindung zwisSchen Schule und Haus fördern. Sie 
Sind auch für die Lehrer und Schüler ohne Nutzen, ja Sie bergen 80gar 
verschiedene Nachteile und Gefahren in Sich. 
Zu den prinzipiellen Gründen, die gegen die Abhaltung der öffent- 
lichen Prüfungen Sprechen, treten praktische, unter welchen insbesondere 
die Teilnahmlosigkeit des Publikums von Bedeutung ist. 
Bei dem nun erfolgenden Eintritt in die Spezialdebatte bemerkt der 
Vors., daſs die Thegen 1 und 2 des Ref., Sowie die Thegen 1, 2 und 4 
des Korref. in der Debatte zusammenzufassSen Sind, weil damit die Haupt- 
frage des Themas entschleden wird. 
Direktor Eitner Schlägt folgende Regolution vor: „Die öffentlichen 
Prüfungen in ihrer bisherigen Form geben kein treffendes Bild von dem 
Leben, der Arbeit und dem Geist der höheren Schulen; Sie Sind für alle 
dabei Beteiligten bedeutungslos. Darum Sgind gie überall dort zu be- 
Seitigen , wo Ihre Beibehaltung nicht in Rückgicht auf ein lebhaftes In- 
teresSe des beteiligten Publikums oder der Städtischen Patronatsbehörde 
geboten erscheint (== These 1 des Ref. mit AussSchluſs der letzten Worte: 
„und können 80gar nachteilig wirken" verbunden mit These 4 des Korre- 
ferenten). 
Der Vors. weist darauf hin, daſs mit der Entscheidung über diese 
Regolution die ganze Frage erledigt Sel.
	        

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