Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Die öffentlichen Schulprüfungen an den höheren Lehranstalten. Protokoll. 203 
Direktor Weck beantragt die Thesen des Ref. und Korref. durch 
zwei neue zu erSetzen, die also lauten: 
1. Die öffentlichen Prüfungen geben zwar Kein völlig treffendes Bild 
von dem Leben, der Arbeit und dem Geist der höheren Schulen, 
entsprechen aber doch einem berechtigten Wunsche des Hauses 
und Sind auch in ihrer üblichen Form nicht ohne Wert für die 
beteiligten Lehrer und Schüler. 
2. Diegelben Sind jedoch, um ihren wichtigsten pädagogischen Zweck 
vollständig zu erfüllen , regelmäſsig mit Deklamation, Rede und 
Gegsang reichlich auszustatten. 
Direktor Moller und Reg.- und Schulrat Sander beantragen fol- 
gende Regolution: „Die Direktorenkonferenz hält es nicht für ihre Auf- 
gabe über die Thegen 3, 4 und 5 des Ref, 8owie über die Thesen 3 und 
5 des Korref. in eine Beratung einzutreten, weil die Frage, ob eventuell 
die Schulprüfung durch eine andere Veranstaltung ersgetzt werden Soll, 
auſserhalb des Themas liegt." 
Direktor Schroeter will hinter These 4 des Korref. eingeschaltet 
wisSSen : „Werden die öffentlichen Prüfungen beibebalten, 80 Sind Sie in 
die Mitte des Schuljahres zu verlegen." 
Direktor Weck erhält das Wort zur Begründung Seiner Thesgen. 
Seine Angicht Steht nicht in direktem Widerspruch mit den Ausführungen 
des Ref. und Korref.; auch er hat dieSelben Erfahrungen in einzelnen 
Fällen gemacht; dennoch verspricht er Sich Nutzen von der Bei- 
behaltung der öffentlichen Prüfungen. Das Interesse des Publikums ist 
durchaus nicht 80 gering, wie vielfach behauptet wird; auch die Be- 
teiligung der Mütter ist von Wert. Die Schule muſs Sich nur hüten, die 
Prüfung als etwas besSonders Bedeutendes darzustellen ; wohl giebt diese 
ein Bild davon, wie der Lehrer mit Seinen Schülern verkehrt; auch hat 
das Haus ein Recht darauf, einen Einblick in das Leben und Wegen der 
Schule zu thun; diesen ermöglicht die Prüfung, wenn auch nicht in voll- 
kommener Weise, Auch für die Lehrer und Schüler, zumal die letzteren, 
iSt das öffentliche Auftreten nicht ohne Wert; die bescheidenen zurück- 
haltenden Naturen finden durch Sie Anregung, der Schüler wird gewöhnt, 
öffentlich Rechenschaft zu geben von dem, was er weiſs und kann. 
Direktor Eitner bezeichnet die Prüfungen in ihrer jetzigen Gestalt 
als einen Anachronismus; das, was man durch ihre Einführung zu er- 
reichen sStrebte, bat Sich nicht erfüllt. Redner Sucht dies durch eine 
zuSammenfasgende Übergicht der gegen die Prüfung geäuſgerten Be- 
denken nachzuweisen.
	        

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